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An der Wurzel der Entzündung

Eine Ursache chronischer Entzündung liegt in den Genen. Aus rund drei Milliarden Bausteinen besteht die Erbinformation einer einzigen Zelle. Die spezifische Reihenfolge dieser Bausteine macht den Menschen aus, sie entscheidet über blond oder dunkelhaarig, über krank und gesund.

Chemisch sind die Bausteine der Erbinformation Desoxyribonukleinsäure (DNA), die in vier verschiedenen Variationen (A,C,G,T) vorkommen. Die genetische Information ist in der individuellen Aneinanderreihung jener Nukleotide verschlüsselt. Allerdings ist es auch entscheidend, wann und wie sie abgelesen werden. Die Gene bestimmen, wie ein Protein aussieht und wo es vorkommt. Dadurch wird ein biochemischer Befehl gegeben und so über die Haarfarbe entschieden oder aber auch, warum manche Menschen weitgehend gesund altern.

Wenn A, C, G und T krank machen

Allerdings hat der Mensch in den letzten Jahrhunderten sein Genom nicht dramatisch verändert. Viele Genvariationen, die ihn heute krank machen, hat es auch vor Jahrtausenden schon gegeben, allerdings haben diese ihn damals nicht krank werden lassen. Deshalb läßt sich die starke Zunahme chronischer Entzündungserkrankungen allein durch genetische Dispositionen nicht erklären. Vielmehr müssen weitere Faktoren hinzu gezogen werden, wie beispielsweise veränderte Umweltbedingungen, moderne Lebens- und Ernährungsgewohnheiten.

Krankheiten im Vorfeld verhindern

Seit das Genom, der menschliche Bauplan, 2001 vollständig entschlüsselt werden konnte, sind heute auch für viele Entzündungserkrankungen (z.B. Psoriasis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) bereits krank machende Gene identifiziert. Wenige Milliliter Blut reichen, um die Erbsubstanz des Menschen zu extrahieren und diese dann zu analysieren. Die ForscherInnen suchen danach, welche genetischen Veränderungen bei Erkrankten gehäuft auftreten und damit auffällig sind. Das Ziel dieser Untersuchungen ist es, mit dem detaillierten Verständnis der Krankheitsmechanismen die Medizin neu zu definieren. Mit diesem Ansatz versucht man, den Blick mehr auf die Entwicklung kreativer Strategien zur Prävention zu richten, statt auf die Reaktion auf Fehlentwicklungen im Körper. Dabei soll die Therapie möglichst auf die genetische Konstitution des einzelnen Patienten individuell abgestimmt sein.
In den laufenden Studien wird das Erbmaterial vieler Tausender von Menschen akribisch analysiert und verglichen; Alte mit Jungen, Kranke mit Gesunden. Dafür lagern bereits Blut- und Gewebeproben von mehr als 130.000 Menschen bei -80 Grad in der Biobank popgen.

 

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