Sie sind hier: Startseite / Entzündung / Grundlagen / Entzündungsreaktionen

Entzündungsreaktionen

Entzündungen sind natürliche Prozesse, mit denen schädliche Eindringlinge, zumeist Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze oder Viren, abgewehrt werden und eine Infektion verhindert wird. Drei Aufgaben werden durch die Entzündung erfüllt: zur Bekämpfung der Infektion werden Effektormoleküle und Zellen angeliefert, sie bildet eine physikalische Barriere und sie regt die Gewebereparatur an.

Eine Entzündung ist ein komplexer Vorgang, an dem viele Zellen des Immunsystems beteiligt sind. Eine Fehlsteuerung in den Abläufen kann zu chronischen Entzündungen oder Allergien führen, die den Körper beträchtlich schädigen können. Auslöser für eine Entzündungsreaktion kann neben Infektionen auch eine Verletzung des Gewebes und das unkontrollierte Absterben von Zellen sein.

Zytokine als Übermittler der Entzündungsreaktion

Bei einer Entzündungsreaktion, die durch Mikroorganismen ausgelöst wurde, erkennen Rezeptoren auf Zellen des Immunsystems, z.B. Makrophagen, auf den Oberflächen von fremden Organismen ganz charakteristische hochkonservierte Strukturen. Werden diese Fremdstrukturen erkannt, führt das zur Ausschüttung von Botenstoffen. Dies sind unter anderem Zytokine, die andere Zellen zur Zellteilung anregen, sie aktivieren oder anlocken können, ein Prozess, der Chemotaxis genannt wird. Als Folge reagiert der Körper mit einer Entzündung, die über vier Merkmale definiert ist: Hitze, Schmerz, Rötung und Schwellung.

Als Reaktionen auf die Ausschüttung von Zytokinen weiten sich die Blutgefäße und werden durchlässiger. Dadurch gelangen die angelockten Zellen des Immunsystems besser zum Gewebe. Die eintretenden Zellen und  Effektormoleküle bewirken dann einen Entzündungsschmerz im Gewebe.

Zu den wichtigsten Zelltypen der ersten Phase einer Entzündung gehören phagozytische Zellen wie zum Beispiel Makrophagen, dendritische Zellen und Neutrophile, die die Erreger umschließen und abtöten können. Aber auch andere Zellen des angeborenen Immunsystems, die Bakterien, unspezifisch an Strukturen, die bei nahezu allen Bakterien vorkommen, erkennen, sind für eine Immunabwehr des Körpers wichtig.

Bei der späteren Phase der Entzündungsreaktion spielen dann auch Zellen des erworbenen (adaptiven) Immunsystems eine Rolle. Die Zellen des adaptiven Immunsystems können anhand von veränderlichen Rezeptoren spezifisch bestimmte Oberflächenstrukturen (Epitope, Antigene) von Bakterien erkennen. 

Das adaptive Immunsystem erlaubt eine gezielte Antwort auf spezifische Krankheitserreger

Bei der Aktivierung der Zellen des adaptiven Immunsystems, z.B. Lymphozyten, spielt wiederum das angeborene Immunsystem eine entscheidende Rolle, da es durch die primäre Entzündungsreaktion den Zellen den Zugang zum Gewebe ermöglicht. Zusätzlich ist es dafür verantwortlich, durch die so genannten Antigen-präsentierenden Zellen (dendritische Zellen und Makrophagen), Bestandteile der Pathogene (Antigene) den Zellen des Immunsystems zu präsentieren. Erkennen T-Lymphozyten (T-Zellen) über ihre variablen Rezeptoren diese Antigene, so werden sie aktiviert und vermehren sich durch Zellteilung.

Eine Besonderheit des angeborenen Immunsystems besteht darin, dass es gezielt spezifische Pathogene erkennen und auf sie reagieren kann. Eine weitere wichtige Eigenschaft des adaptiven Immunsystems ist, dass es über ein so genanntes immunologisches Gedächtnis verfügt. Bestimmte Zellen können nach dem Kontakt mit einem Krankheitserreger mehrere Jahre im Körper existieren und eine schnelle, gezielte und effektive Immunreaktion bei einem weiteren Kontakt mit demselben Krankheitserreger (Reinfektion) auslösen. Diese Eigenschaft macht sich heutzutage die Medizin bei Impfungen zu Nutze. Allerdings kann genau diese Eigenschaft bei einer Fehlsteuerung des Immunsystems auch Allergien und Autoimmunkrankheiten auslösen.

Artikelaktionen