Sie sind hier: Startseite / Newsroom / Aktuelles / Die Suche nach dem Ursprung von Darmentzündungen

Die Suche nach dem Ursprung von Darmentzündungen

04.09.2013

Lipid-Antigene als Auslöser von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs? Dieser Fragestellung geht Professor Sebastian Zeißig, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und Mitglied im Exzellenzcluster Entzündungsforschung, nach. Für sein Forschungsvorhaben IBDlipids hat der Immunologe jetzt die Zusage für eine 1,5 Millionen Euro starke Förderung für fünf Jahre des European Research Councils (ERC Starting Grant) erhalten. Das Projekt ist eines von insgesamt 287, die europaweit aus rund 3.300 Anträgen für einen Starting Grant ausgewählt wurden. Nur 14 davon sind deutschlandweit im Bereich Life Science angesiedelt.

Das Besondere an Zeißigs Forschungsansatz: „Wir wollen den Ursprung der Entzündung bei Colitis ulcerosa identifizieren, um die Erkrankung an ihrem Ausgangspunkt zu blockieren und idealerweise gar prophylaktisch zu verhindern“, sagt Zeißig. Alle aktuellen Therapien setzen am Ende der Reaktionskette an und blockieren von Immunzellen produzierte Botenstoffe (Zytokine), die Entzündungsreaktionen auslösen. Da es jedoch eine Vielzahl solcher Botenstoffe gibt, sind die Therapien häufig nicht ausreichend wirksam. Darüber hinaus dienen Zytokine auch der Abwehr von Infektionen, so dass ihre medikamentöse Blockade mit Nebenwirkungen wie Infektionen assoziiert ist.

Das Immunsystem spielt bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eine wichtige Rolle und trägt über eine fortlaufende Immunreaktion gegen körpereigene oder mikrobielle Bestandteile wie die Darmflora zum Entzündungsprozess bei. „Wir haben seit langem Hinweise darauf, dass eine bestimmte Gruppe von Abwehrzellen in zentraler Weise an der Darmentzündung bei Colitis ulcerosa beteiligt ist“, erklärt Zeißig. Diese Zellen werden Natürliche Killer T (NKT)-Zellen genannt und unterscheiden sich von herkömmlichen T-Zellen darin, dass sie nicht Eiweiße, sondern Lipide (Fette) erkennen. Die zentrale Frage sei nun, welche Lipid-Antigene die NKT-Zell-vermittelte Darmentzündung bewirken. „Es könnten Lipide aus der Nahrung sein, körpereigene oder bakterielle Lipide“, sagt der Cluster-Wissenschaftler.

Die EU-Förderung ermöglicht es nun, die Herkunft dieser Lipid-Antigene aufzudecken. Zeißig und sein Team können ab November mit der Suche nach dem Ursprung chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen beginnen. „Wenn wir die Auslöser der Entzündungen kennen, können wir diese gezielt hemmen und so den Krankheitsverlauf in einem ganz frühen Stadium blockieren“, sagt Zeißig. Dies sei notwendig, weil Patientinnen und Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zusätzlich zur stark eingeschränkten Lebensqualität auch ein deutlich erhöhtes Risiko haben, im späteren Krankheitsverlauf an Darmkrebs zu erkranken.


Zur Person:
Sebastian Zeißig promovierte 2005 an der Charité, Campus Benjamin Franklin, Berlin, über Mechanismen epithelialer Barrierestörungen bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. Als Postdoktorand an der Harvard Medical School in Boston widmete sich der Mediziner den immunologischen Aspekten intestinaler Erkrankungen. Seit 2010 ist der 34-jährige Arbeitsgruppenleiter in der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel. 2012 nahm Zeißig den Ruf auf eine Juniorprofessur für „Immunologische Aspekte intestinaler Barriereerkrankungen” an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel an.

 

Zwei Fotos stehen zum Download bereit:

Sebastian Zeissig

Bildunterschrift: Mit Hilfe von Zellkulturmodellen untersucht Prof. Sebastian Zeißig die Ursachen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Darmkrebs.
Foto: Ann-Kathrin Wenke, Copyright: EXC

Sebastian Zeissig (Portrait)

Bildunterschrift: Erhielt einen ERC Starting Grant: Prof. Sebastian Zeißig.
Foto/Copyright: S. Zeißig

 

Kontakt:
Professor Sebastian Zeißig
Telefon: 0431-597 5199
E-Mail: szeissig@1med.uni-kiel.de


Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Presse und Kommunikation, Dr. Ann-Kathrin Wenke
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4839, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: akwenke@uv.uni-kiel.de, Internet: www.inflammation-at-interfaces.de

Artikelaktionen

abgelegt unter: