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Forscher und Forscherinnen aus aller Welt schließen sich zusammen, um multiresistente Tuberkulose besser zu bekämpfen

31.03.2016

Der Welttuberkulosetag am 24. März erinnert jedes Jahr die Öffentlichkeit in aller Welt daran, dass immer noch jährlich 1,5 Millionen Menschen an der Tuberkulose (TB) sterben. Besonders problematisch ist das vermehrte Auftreten multiresistenter (MDR) Stämme mit zurzeit ca. 450.000 Neuerkrankungen. Bei MDR Stämmen ist die Behandlung schwieriger, länger und nur mit ca. 50% erfolgreich.

Um einen Beitrag zur Ausrottung der TB bis 2035 zu leisten, hat sich eine Gruppe von internationalen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen unter Beteiligung des Forschungszentrums Borstel und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung in dem internationalen Konsortium CRyPTIC zusammengeschlossen. Das von der Universität Oxford geleitete und von der Bill & Melinda Gates Stiftung (2,2 Millionen Dollar; 1,95 Mill Euro) und dem Welcome Trust und MRC Newton Fund (4 Millionen Pfund, 5,1 Mill EURO) geförderte Konsortium, hat das Ziel, die Diagnostik der MDR-TB effektiver und schneller durchzuführen.

Resistente Formen der TB lassen sich aktuell hauptsächlich durch zeitraubende Kulturverfahren nachweisen. Dies verzögert eine genaue Diagnose, die Ermittlung einer Kombination wirksamer Medikamente und, in vielen Fällen, eine zeitnahe effektive Behandlung von MDR-TB Patienten.

Neue Verfahren zur Genomsequenzierung und Ermittlung der genetischen Codes des TB-Erregers stellen eine schnellere Alternative zur Identifizierung resistenter Varianten dar. Der individuelle genetische Code eines Patientenstamms kann mit einer Bibliothek von Veränderungen des Erbguts verglichen werden, die für Resistenzen charakteristisch sind. Dies ermöglicht dem verantwortlichen Arzt, eine optimale Behandlungsstrategie zu entwickeln.

Derrick Crook, Professor an der Universität Oxford und Direktor der Sektion für Infektion von „Public Health England“, erläutert: „Tausende von klinischen Proben sind in den letzten Jahren mit Genomsequenzierung analysiert worden. Dies zeigt, dass die Genomanalyse resistenter Stämme sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der Routinediagnostik angewendet werden kann. Schlüssel dafür ist die genaue Kenntnis der Veränderung im Erbgut des Erregers, die tatsächlich zu einer Antibiotikaresistenz führen“.

Genau diese Fragestellung wird in dem CRyPTIC Konsortium bearbeiten. Zusätzlich zu 3.651 bis jetzt analysierten Genomen von TB-Stämmen, sollen weitere 100.000 Erregerproben aus aller Welt untersucht werden, um eine umfassende Datenbank für genombasierte Resistenztestung aufzubauen.

TB-Stämme werden in mehr als 12 Zentren in Afrika, Asien, Europa und Amerika gesammelt. Das Team in Oxford führt die Sequenzdaten in einer Datenbank zusammen, in der die mit Antibiotikaresistenzen assoziierten Veränderungen im Genom identifiziert werden können. Gleichzeitig soll ein einfaches Verfahren entwickelt werden, das die automatisierte Vorhersage von Antibiotikaresistenzen in klinischen Proben an Hand der Genomdaten erlaubt.

Die Forscher und Forscherinnen aus Borstel steuern Genomdaten von ca. 10.000 TB-Stämmen bei und sind an der Überprüfung von Resistenzmechanismen beteiligt. „Der schnelle Nachweis von Resistenzen durch Genomsequenzierung ist ein wichtiger Forschungsschwerpunkt in Borstel und im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. Im Rahmen von CRyPTIC können die Forschungsergebnisse optimal gebündelt und für die Bekämpfung der TB eingesetzt werden“ sagt Prof. Stefan Niemann, Leiter der Gruppe Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie am Forschungszentrum Borstel.

 

Liste der beteiligten Zentren:

Public Health England Regional Centre for Mycobacteriology, Birmingham, UK
San Raffaele Scientific Institute, Milan, Italy
The Foundation of Medical Research, Mumbai, India
P.D. Hinduja National Hospital and Medical Research Centre, Mumbai, India
Chinese Centre for Disease Control and Prevention, Beijing, China
London School of Hygiene and Tropical Medicine (Peru), London, UK
National Institute for Communicable Diseases, Johannesburg, South Africa
Forschungszentrum Borstel, Borstel, Germany / Deutsches Zentrum für Infektionsforschung
Janssen Therapeutics, New Jersey, USA
Critical Path Institute, Arizona, USA
Atlanta Centre for Disease Control and Prevention, Atlanta, USA
Adolfo Lutz Institute, Sao Paulo, Brazil
Oxford University Clinical Research Unit, Vietnam

Herausgeber und Pressekontakt:
Prof. Stefan Niemann
Forschungszentrum Borstel
FG Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie
Parkallee 1, 23845 Borstel
Telefon: 04537 188 7620

zur Pressemitteilung des Forschungszentrum Borstel

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