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Fruchtfliegen in der Entzündungsforschung

07.02.2012

Nobelpreisträger zu Gast beim Exzellenzcluster. Jules Hoffmann stellte am 7. Februar im Exzellenzcluster Entzündungsforschung seine Arbeit zur angeborenen Immunabwehr bei Fliegen vor. Während einer „Cluster Lecture“, die regelmäßig im Forschungszentrum Borstel stattfindet, hörten über 200 Gäste vor Ort und zahlreiche weitere bei einer Live-Übertragung nach Kiel und Lübeck dem prämierten Biologen zu. Das Thema seiner Vorlesung war „Phylogenetische Perspektiven der angeborenen Immunität: Studien an Drosophila“.

Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung lädt regelmäßig hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt zur Cluster Lecture ein, um Übersichtsvorträge zu halten. „Insbesondere die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler profitieren davon, dass so erfolgreiche und über den Tellerrand hinausschauende Forscher wie Jules Hoffmann den Cluster besuchen“, sagt Professor Stefan Ehlers, Gastgeber der Cluster Lecture, von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und dem Forschungszentrum Borstel. „Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, einem Nobelpreisträger persönlich seine Experimente zu erklären.“ Da würde der Funke wirklich überspringen, so Ehlers.

Es sei wichtig, dass Ergebnisse der Grundlagenforschung schnell Eingang in die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie Biologinnen und Biologen fänden, stimmte auch Jules Hoffmann zu. „Auf diese Weise können auch neue Ideen zur Stimulation der angeborenen Immunität oder zur Hemmung von Entzündungsreaktionen rasch vom Experiment zur Anwendung beim Patienten gelangen. Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung geht hier vorbildlich vor“, sagt Jules Hoffmann.     

Auf den Erkenntnissen von Jules Hoffmann baue die Forschung des Exzellenzclusters Entzündungsforschung sowie die der angewandten Lebenswissenschaften der Universität in Kiel auf, ergänzt Professor Thomas Bosch, Vizepräsident der CAU: „Durch die Arbeiten von Jules Hoffmann verstehen wir heute das Erkennungssystem der angeborenen Immunität, das Bakterien, Pilze und Viren identifiziert. Wir verstehen die Signale, die unsere Abwehrkräfte mobilisieren und wir wissen, welche Mechanismen für die Abwehr von Infektionskrankheiten und Entzündungsreaktionen verantwortlich sind.“

Zur Person:
Jules Hoffmann wurde 1941 in Luxemburg geboren. 1961 begann er sein Studium an der Universität Straßburg, wo er 1969 zum Doktor der Naturwissenschaften promoviert wurde. Als Postdoktorand forschte er unter anderem auch an der Philipps-Universität in Marburg. 1978 übernahm er eine Professur für Zoologie und allgemeine Biologie an der Universität Straßburg. Von 1993 bis 2005 war er Forschungsdirektor an der französischen Forschungseinrichtung Le Centre national de la recherche scientifique (CNRS), wo er bis heute am Institut für Molekulare und Zelluläre Biologie die Arbeitsgruppe „Entzündung in Drosophila“ leitet. Neben vielen weiteren Preisen erhielt Jules Hoffman 2011 als Anerkennung für seine Entdeckungen zur Aktivierung der angeborenen Immunität zusammen mit Bruce Beutler und Ralph Steinman den Nobelpreis für Medizin. 

Seine Forschung: Um eindringende Krankheitserreger zu bekämpfen, hat der menschliche Körper das Immunsystem. Zur ersten, sehr schnellen Mobilisierung der körpereigenen Abwehrkräfte dient die angeborene Immunität. Jules Hoffmann hat herausgefunden, dass das angeborene Immunsystem der Fruchtfliege Drosophila vielen Aspekten des menschlichen Immunsystems sehr ähnelt.


Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung, angesiedelt an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, verfolgt einen einzigartigen interdisziplinären Forschungsansatz, um die Ursachen der chronischen Entzündung zu entschlüsseln und Therapien zur Heilung zu entwickeln. Der Forschungsverbund bündelt die Kompetenzen von rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Bereichen Genetik, Biochemie, Biologie und Ernährungswissenschaft sowie Ärztinnen und Ärzte der Universitäten zu Kiel und zu Lübeck, des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein sowie des Forschungszentrums Borstel und des Max-Planck-Instituts Plön. Mehrere Millionen Menschen leiden allein in Deutschland an chronischer Entzündung der Lunge (Asthma), der Haut (Schuppenflechte), des Darms (Morbus Crohn) und des Gehirns (Morbus Parkinson). Auslöser ist eine Fehlsteuerung des Immunsystems: Unaufhörlich aktiviert es entzündliche Botenstoffe und Abwehrzellen und zerstört dadurch gesundes Gewebe. Dieses Phänomen der modernen Zivilisation ist zur Herausforderung für die Medizin des 21. Jahrhunderts geworden. 2007 erklärten deshalb die Bundesregierung und die Deutsche Forschungsgemeinschaft die Entschlüsselung des komplexen Entzündungsmechanismus zu einem nationalen wissenschaftlichen Schwerpunkt. Am 10. Februar findet in Bonn die Begutachtung für die nächste Förderperiode statt. Mitte Juni wird dann darüber entschieden, ob der Exzellenzcluster Entzündungsforschung in Schleswig-Holstein für weitere fünf Jahre finanziert wird.



Weitere Informationen unter:
www-ibmc.u-strasbg.fr/ridi/index.php



Zwei Bilder stehen zum Download bereit:

Bosch/Hofmann

www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-037-1.jpg
Bildunterschrift 1: Blick auf moderne Forschung: Jules Hoffmann besichtigt das neue Zentrum für Molekulare Biowissenschaften an der Kieler Universität.
Copyright: CAU, Foto: Claudia Eulitz

Jules Hofmann

www.uni-kiel.de/download/pm/2012/2012-037-2.jpg
Bildunterschrift 2: Jules Hoffmann hält seinen Vortrag beim Exzellenzcluster Entzündungsforschung.
Copyright: Forschungszentrum Borstel, Foto: Dr. Bettina Brand

 

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