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Internationaler Interleukin-6-Kongress in Kiel

26.05.2014

Vom 14. bis 17. Mai 2014 trafen sich im Atlantic Hotel in Kiel mehr als 150 Wissenschaftler aus aller Welt. Thema der internationalen Konferenz war Interleukin-6, ein Zytokin im menschlichen Körper, das bei Entzündungsvorgängen im Körper vermehrt gebildet wird. Die Blockade von Interleukin-6 wird seit Kurzem zur Behandlung von chronischen entzündlichen Erkrankungen wie Rheumatoider Arthritis genutzt.

Der Kieler Biochemiker Prof. Stefan Rose-John arbeitet seit mehreren Jahrzehnten an Interleukin 6. Zusammen mit dem japanischen Wissenschaftler Prof. Tadamitsu Kishimoto, der in den 1980er Jahren Interleukin-6 entdeckte, organisierte er diese Konferenz. „Es ist schon ungewöhnlich, ein Meeting thematisch ausschließlich auf ein Molekül zu begrenzen. Normalerweise treffen sich beispielsweise Leberspezialisten und berichten über die unterschiedlichen Faktoren, die Leberzellen beeinflussen“, so Rose-John „wir haben das genau anders herum gemacht. Wir haben uns auf einen Botenstoff beschränkt und schauen uns an, in welchen Organen und bei welchen Erkrankungen dieser Stoff eine Rolle spielt.“

In den zweieinhalb Tagen hielten mehr als 30 international anerkannte Wissenschaftler einen Vortrag. Dabei wurde deutlich, welch zentrale Rolle Interleukin-6 im menschlichen Organismus spielt. Zusammen mit vielen anderen Botenstoffen, sogenannten Zytokinen, reguliert und koordiniert Interleukin-6 das Immunsystem. Dabei wirkt es nicht nur auf einen bestimmten Zelltyp, sondern löst unterschiedliche Antworten auf verschiedenen Zellen aus.

Bemerkenswert ist, dass zahlreiche Wissenschaftler allerhöchsten Ranges wie zum Beispiel Prof. Michael Karin von der University of California, San Diego oder Prof. Vijay Kuchroo von der Harvard University der Einladung nach Kiel Folge leisteten. Sie gehören zusammen mit Prof. Kishimoto zu den meistzitierten Wissenschaftlern der Welt.

Die bekannteste Funktion des Interleukin-6 ist die eines Entzündungsmediators. Viele Menschen leiden unter chronischen Entzündungen, wie Rheumatoide Arthritis oder Morbus Crohn. Seit mehr als zehn Jahren werden solche Erkrankungen, wenn die Patienten nicht auf herkömmliche Medikamente reagieren, mit Hemmstoffen gegen einen weiteren Entzündungsmediator, den sogenannten Tumor-Nekrose-Faktor (TNF), behandelt. Neue, auf der Konferenz präsentierte Daten belegen jedoch eindrucksvoll, dass der von Prof. Kishimoto entwickelte und auch in Deutschland zugelassene Interleukin-6 blockierende Antikörper Tocilizumab bei bestimmten Indikationen deutlich wirkungsvoller ist als TNF-Inhibitoren.

 „Interleukin-6 komplett zu hemmen, ist aber nicht unproblematisch“, so Rose-John;  „dieser Mediator ist in unserem Körper nicht nur die Aufrechterhaltung von Autoimmunerkrankungen verantwortlich, sondern ist auf der anderen Seite auch am Schutz vor bakteriellen Infektionen und an der Regeneration von geschädigten Geweben beteiligt.“ Die Unterbindung dieser Regenerationsfunktion kann bei einer Therapie mit Interleukin-6-Hemmstoffen zu schweren Nebenwirkungen führen und die Therapie begrenzen.

Der Kieler Wissenschaftler hat einen Hemmstoff entwickelt, der im Tiermodell ausschließlich die entzündungsfördernden und damit krankheitsauslösenden Eigenschaften von Interleukin-6 blockiert und seine protektiven und regenerativen Eigenschaften nicht beeinträchtigt. Dieser Wirkstoff befindet sich zurzeit in der für alle neuen Medikamente vorgeschriebenen klinischen Prüfung. Hier wird sich zeigen, ob sich die vielversprechenden Ergebnisse im Menschen bestätigen lassen.

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