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Mitglieder des Exzellenzclusters „Entzündungsforschung“ bereicherten die Holtenauer Spätschicht

17.11.2014

„Spätschicht trifft Wissenschaft“: Unter diesem Motto hielten am Freitag (07.11.2014) erstmals Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler während des langen Einkaufsabends Vorträge in verschiedenen Geschäften. Darunter waren auch zwei Clustermitglieder: Professorin Regina Fölster-Holst sprach im Reformhaus Hintz zum Thema „Essen: Vergnügen ohne Risiko?“, Professor Wolfgang Lieb berichtete in der Holsten Apotheke von „Bevölkerungsmedizin – den Volkskrankheiten auf der Spur“. Zu beiden Vorträgen drängten sich interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer in den jeweiligen Läden.

Allergie ist ein Stichwort, welches viele Menschen mit Lebensmitteln in Verbindung bringen. Rund 20 Prozent der Bevölkerung sind der Meinung, sie würden an einer Nahrungsmittelallergie leiden. Tatsächlich sind nur etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Erwachsene mit einer Pollenallergie leiden besonders darunter. Die Ähnlichkeiten von Pollen- und Nahrungsmittelallergen führt dazu, dass das Immunsystem diese nicht auseinanderhalten kann. Ein Beispiel für diese pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie ist das orale Allergiesyndrom, das mit einem Kribbeln und pelzigem Gefühl im Mundbereich beim Genuss von Kern- und Steinobst auftritt (v.a. Nüsse und Äpfel). Der Fachmann spricht von einer Kreuzallergie.

Das Immunsystem sollte schon frühzeitig verschiedene Nahrungsmittel kennenlernen, empfahl Professorin Fölster-Holst: „ Dabei ist es wichtig, dass der erste Kontakt mit dem Immunsystem des Darmes erfolgt. Über diesen Weg ist eine Toleranz möglich, also das Vertragen von Nahrungsmitteln.“ Verliefe der erste Kontakt über die Haut, bestünde ein deutlich erhöhtes Allergierisiko, so die Expertin. Als erläuterndes Beispiel führt Professorin Fölster-Holst an: Die Eltern haben gerade Erdnüsse gegessen und wollen ihr Baby frisch wickeln und eincremen. Wenn sie vergessen, sich zuvor die Hände zu waschen, gelangt das Allergen der Erdnuss in die Haut des Kindes, besonders wenn die Haut defekt ist wie beispielsweise bei einem wunden Po.

Der Epidemiologe Professor Wolfgang Lieb informierte in seinem Beitrag über verschiedene wissenschaftliche Ansätze zur Untersuchung von Zivilisations- und Volkskrankheiten. Ein besonders wichtiges Projekt in diesem Zusammenhang stellt das Forschungsprojekt „Nationale Kohorte“ (NaKo-Studie) dar. Diese Bevölkerungsstudie untersucht langfristig die Ursachen zahlreicher Volkskrankheiten – z. B. Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs. Diese Erkrankungen sind teilweise auch Forschungsschwerpunkte des Exzellenzclusters „Entzündungsforschung“. Professor Lieb forscht auch zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die im Exzellenzcluster in Familienverbünden untersucht werden um die Entstehungsmechanismen dieser Krankheiten zu verstehen.

Im Rahmen der NaKo-Studie werden allein in Kiel über das Einwohnermeldeamt rund 15.000 Menschen angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. Professor Lieb warb in seinem Vortrag insbesondere um die Studienteilnahme, sollten die Zuhörerinnen und Zuhörer kontaktiert werden: „Jede einzelne Studienteilnehmerin und jeder Studienteilnehmer helfen uns, die wissenschaftliche Aussagekraft dieser Bevölkerungsstudie zu erhöhen. Nur durch eine umfassende Teilnahme der Bevölkerung kann die Studie auch ihr Ziel erreicht, nämlich gesundheitliche Erkenntnisse zu erzielen, die auf ganz Deutschland übertragbar sind. Einen Hinweis gab Professor Lieb den inteinteressierten Zuhörerinnen und Zuhörern mit auf den Weg: „Lassen Sie einmal jährlich Ihren Blutdruck und Ihre Blutfette messen! Auf diese Weise tun Sie einiges für Ihre persönliche Gesundheitsvorsorge.“

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