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Forschung für eine neue Ära der Medizin - die Präzisionsmedizin

28.03.2018

Fachleute aus aller Welt diskutierten auf Einladung des Exzellenzclusters „Inflammation at Interfaces“

„Präzisionsmedizin ist nicht weniger als der größte Paradigmenwechsel, den es in der Medizin jemals gegeben hat.“ Mit diesen Worten stimmte der Neurobiologe und Unternehmer Dr. Friedrich von Bohlen in seinem Vortrag die Gäste eines internationalen Symposiums auf das Thema der Tagung ein. Rund 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutierten auf Einladung des schleswig-holsteinischen Exzellenzclusters „Inflammation at Interfaces“ die neusten Fortschritte auf dem Gebiet der Präzisionsmedizin. „Die Präzisionsmedizin wird individuelle, molekular-basierte Diagnosen, sowie sicherere und vorhersagbarere Therapieoptionen ermöglichen. Es wird eine Werte- und Nutzen-basierte Medizin sein“, erklärte von Bohlen. Ziel ist: Durch das gezielte Sammeln, Vernetzen und Analysieren von Daten, vor allem auch molekularer Daten, Krankheiten im Einzelfall präziser zu verstehen und behandeln zu können. Aufbauend auf diesem individuellen Krankheitsprofil können sehr präzise individuelle Therapieoptionen ausgewählt werden, die sowohl wirksam als auch sicher sind. Das ist die Zukunft der Medizin. Davon ist nicht nur von Bohlen überzeugt, der als Gründer und Geschäftsführer des Biotech-Unternehmens „Molecular Health“ die Idee der Präzisionsmedizin auch wirtschaftlich vorantreibt.

Die Zeiten, in denen verschiedene Menschen identische Medikamente erhalten, könnten bald der Vergangenheit angehören. Immer leistungsfähigere Analysen wie beispielsweise die Gensequenzierung und die bioinformatische Auswertung dieser Daten eröffnen zukünftig neue Welten. Das Potenzial dieser Methoden und Daten hat auch der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“ erkannt. Seit mehr als zehn Jahren erforscht der schleswig-holsteinische Forschungsverbund die Ursachen und molekularen Mechanismen von chronisch entzündlichen Erkrankungen und leistet damit Pionierarbeit für die Präzisionsmedizin. Dabei geht das langfristige Ziel dieser Forschungsrichtung über die Heilung von Krankheiten hinaus. Langfristig soll es möglich sein, Krankheiten zu erkennen, bevor diese klinisch auffällig werden. „Wir wollen insbesondere Frühdiagnostik und präventive Intervention bei chronischen und altersbedingten Erkrankungen voranbringen“, erklärt Cluster-Sprecher Professor Stefan Schreiber. „Eine Kernkomponente des Clusters ist die Forschung direkt am kranken Menschen. Sie führt aufgrund der notwendigen großen Kohorten zu einem hohen Aufwand und zu sehr großen Datenmengen. Die systematische Analyse von medizinisch-biologischen Daten und dazugehörigen Patientendaten eröffnet neue Möglichkeiten, das Verständnis von Entzündungskrankheiten zu verbessern und Ansätze für individualisierte Therapie zu entwickeln.“

Das internationale Symposium des Clusters behandelte unter der Überschrift „Precision Medicine in Chronic Inflammation – From Pathophysiology to Treatment Decision (Präzisionsmedizin bei chronischer Entzündung - von der Pathophysiologie bis zur Behandlungsentscheidung)“ ein breites Spektrum an Themen. Das (persönliche) Mikrobiom, genetische Veränderungen, Biomarker, sowie ethische und ökonomische Herausforderungen standen während der zweitägigen Konferenz im Fokus. Und in einem waren sich die Teilnehmenden einig: Präzisionsmedizin wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen und die Medizin erheblich verändern.


Kontakt:
Dr. Tebke Böschen
Pressereferentin, Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“
Tel.: (0431) 880-4682
E-Mail: tboeschen@uv.uni-kiel.de



Der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces/Entzündungsforschung“ wird seit 2007 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit einem Gesamtbudget von 68 Millionen Euro gefördert; derzeit befindet er sich in der zweiten Förderphase. Die rund 300 Clustermitglieder an den insgesamt vier Standorten: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule), Lübeck (Universität zu Lübeck, UKSH), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) forschen in einem innovativen, systemischen Ansatz an dem Phänomen Entzündung, das alle Barriereorgane wie Darm, Lunge und Haut befallen kann.

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: spetermann@uv.uni-kiel.de
Twitter: I@I @medinflame

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