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Der Cluster lebt

Der Exzellenzcluster Entzündungsforschung blickt auf ein erfolgreiches erstes Jahr zurück. Nahezu alle ausgeschriebenen Professuren wurden besetzt, das Exzellenzzentrum für Entzündungsmedizin wurde eröffnet und einen Preis gab es auch schon.

Probenschale

Berufungen

Im Januar 2008 hat der Cluster zwölf Professuren international ausgeschrieben, in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ und im Fachmagazin „Nature“. Die Kandidaten für die ausgeschriebenen Professuren stellten sich und ihre wissenschaftlichen Konzepte an drei Tagen Mitte April in einem Vorstellungssymposium in Kiel und Lübeck vor und besichtigten alle Clusterstandorte in Borstel, Lübeck, Kiel und Plön. Diese Professuren sowie acht weitere, die zuvor ausgeschrieben waren und jetzt vom Cluster mitfinanziert werden, konnten bis Ende 2008 größtenteils besetzt werden. Lediglich zwei Professuren mussten neu ausgeschrieben werden; konnten mittlerweile aber auch erfolgreich besetzt werden. Jetzt geht es daran den Mittelbau aufzustocken, also weitere Doktoranden und Postdocs mit entsprechender Qualifikation zu rekrutieren.

Cluster-Symposium

Einen umfassenden Einblick in die Arbeit des Clusters bot das erste Jahressymposium vom 27. bis 28. Juni 2008 in Lübeck, an dem auch der wissenschaftliche Beirat teilnahm. In Vorträgen konnten sich Clusterforscher ausführlich über die Arbeit ihrer Kollegen informieren und neue Impulse für die eigene Forschung mitnehmen. Die Konferenz habe den Anstoß für einen zweiten qualitativen Schub gegeben, befand der stellvertretende Cluster-Sprecher Professor Enno Hartmann von der Universität zu Lübeck. In 2009 organisiert Professor Bosch zusammen mit Kollegen aus dem Exzellenzcluster Entzündungsforschung wie auch dem zweiten Kieler Exzellenzcluster ‚Future Ocean’ neben der zweiten Cluster-Konferenz den Workshop ‚Host-Microbe-Interaction in Health and Disease’, der vom 6. bis 8. Juli im Zoologischen Museum stattfinden wird. „Dieser Workshop ist Teil der Vorbereitung zur Einrichtung eines neuen Sonderforschungsbereichs an der Kieler Universität zum Thema Mikroben-Wirt-Interaktion“, so Bosch. „Das ist zurzeit eines der Topthemen in der Wissenschaft. Denn es reicht nicht aus, nur die Vorgänge im Wirt, also zum Beispiel dem Patienten, zu verstehen. Wir müssen auch die mit ihm interagierenden Mikroben erforschen. Die Mikroben senden Signale aus an den Wirt und der Wirt sendet Signale aus an die Mikroben. Diese Interaktion versteht bisher noch niemand.“

Die zweite Cluster-Konferenz wird vom 9. bis 11 Juli 2009 in Kiel statt-finden. Im Gegensatz zum ersten Symposium wird es eine internationale Konferenz sein, zu der auch auswärtige Experten als Redner eingeladen wurden. Ein Schwerpunktthema hier ist die Interaktion von Mikroben mit dem Wirtsge- webe bei Entzündungsreaktionen. „Für den Eröffnungs- abend im großen Saal des Kieler Schlosses wagen wir eine ungewöhn- liche Zusammenstellung“, verrät der Organisator der Konferenz Professor Thomas Bosch vom Zoologischen Institut der Kieler Universität. Zunächst hält die angesehene Mikrobiologin Professor Margaret McFall-Ngai von der Universität Wisconsin, USA, einen Vortrag und im Anschluss gibt der weltbekannte Konzertpianist Professor Boris Bloch von der Folkwang-Hochschule in Essen ein Klavierkonzert.

Zeitschrift

Cluster Lecture

Anschluss zur internationalen Forschungselite bietet die Ende September 2008 gestartete Vortragsreihe mit renommierten Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland. Jeweils am letzten Dienstag im Monat stehen bei der ‚Cluster Lecture’ im Herrenhaus des Forschungszentrums Borstel die neuesten Entwicklungen in der Entzündungsforschung auf dem Programm. Die ersten Referenten waren der Zoologe Professor Rick Maizels aus Edingburgh, der Ernährungswissenschaftlers Professor Philipp Calder von der Universität

Southhampton und der Biomediziner Professor Guido Krömer aus Paris.

Scientific Supervisory Board

Im Laufe des Jahres formierte sich der wissenschaftliche Beirat des Clusters. Insgesamt sechs Vertreter aus Industrie und Forschung konnten dafür gewonnen werden, den Cluster wissenschaftlich und strategisch zu beraten. Mitglieder sind zurzeit (Stand Januar 2009): Professor Per Brandtzæg, Pathologe aus Oslo/Norwegen, Professorin Britta Engelhardt, Humanbiologin von der Universität Bern/Schweiz, Professor Philippe Sansonetti, Infektionsbiologe am Pasteur-Institut Paris/Frankreich und die beiden US-Forscher Professor John F. Parkinson aus Richmond/USA und Professor Hans Reiser aus Foster City/USA (Gilead Sciences, Inc.). Den Vorsitz hat der Immunologe Professor (pens.) Clemens Sorg aus Freiburg.

Technische Ausstattung

Mit der Etablierung des Clusters verbessert sich auch die Infrastruktur für die Wissenschaftler des Forschungsverbunds. Im Zentrum für Molekulare Biowissenschaften (ZMB), der zentralen Forschungs- und Serviceplattform an der Kieler Universität, befinden sich unter einem Dach Analysegeräte nach dem neuesten Stand der Technik, zum Beispiel zur Hochdurchsatz-genotypisierung. Damit lassen sich in großen Patientenkohorten Sequenzen ganzer Genregionen darstellen. Zuletzt sind drei neue Gen-Sequenzierer in Betrieb gegangen. Im Forschungszentrum Borstel wurde das Hochsicherheitslabor ausgebaut, in dem auch die Forschung mit sehr ansteckenden Viren oder Bakterien wie Tuberkulose-Erreger oder Influenzaviren möglich ist. Um den durch neue Professuren und Projekte gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, wurden die Labore vergrößert sowie die technische Ausstattung und Analysemöglichkeiten stark erweitert und modernisiert. Zusätzlich wurde in Borstel auch ein bis dahin nicht vorhandenes S2- Labor für die tierexperimentelle Forschung an Modellsystemen für infektionsbedingte Entzündungserkrankungen eingerichtet.

Fouquet und Franke

Bei einem Festakt überreichte Unipräsident Gerhard Fouquet (rechts) Andre Franke den mit 100.000 Euro dotierte Hensel-Preis der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel.

Cluster-Partner: DESY

Um die Struktur von Proteinkristallen untersuchen zu können, hat Professor Rolf Hilgenfeld vom Institut für Biochemie der Universität zu Lübeck am Deutschen Elektronen- Synchrotron (DESY) in Hamburg das Labor für Strukturbiologie für Infektion und Entzündung aufgebaut. Die Zusammenarbeit zwischen DESY und Cluster wurde 2008 in einem Kooperationsvertrag besiegelt. Seit August 2008 arbeitet Cluster-Wissenschaftler Dr. Markus Perbandt dort und betreut die Projekte des Clusters, zum Beispiel die Analyse der Struktur von gp130, für die die Synchrotronstrahlung erforderlich ist. Der Beschleuniger PETRA (Positron-Elektron-Tandem-Ring-Anlage) am DESY wird zurzeit zu einer der brillantesten Speicherring Röntgenstrahlungs-quellen ausgebaut. Der Cluster beteiligt sich mit 400.000 Euro am Aufbau eines Proteinkristallographie-Messplatzes an PETRA III und erhält dafür 10 Prozent der Messzeit. „Wenn PETRA III 2010 fertig ist, wird es das stärkste Synchrotron der Welt sein“, so Hilgenfeld. „Wir können dann mit viel kleineren Kristallen arbeiten.“ Zur Untersuchung am Synchrotron werden die Proteine kristallisiert. Bisher ist eine Größe von mindestens 15 Mikrometer nötig, um Aufbau und räumliche Struktur der Proteine aufklären zu können. Das Wissen über den Aufbau der Proteine ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung neuer Medikamente, die gezielt gegen Entzündungen eingesetzt werden können.

Der Beschleuniger PETRA (Positron-Elektron- Tandem-Ring-Anlage) am DESY wird zurzeit zu einer der brillantesten Speicherring-Röntgenstrahlungsquellen ausgebaut.

PETRA

DFG-Besuch

Im Oktober 2008 besuchte eine Delegation der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) den Cluster. Beteiligt an den in Kiel stattfindenden Gesprächen waren: Wissenschaftler aller Projekte, Vertreter aller Fakultäten und beide Hochschulpräsidien sowie das Direktorium des Forschungszentrums Borstel, Vertreter des Max-Planck-Instituts Plön und des UK S-H-Vorstandes. Acht Stunden lang informierten sich Klaus Wehrberger, der Leiter der DFG-Sonderforschungsbereiche, und die beiden Projektbetreuer Amelie Winkler und Andreas Strecker über die Entwicklung des Clusters. Die erste Bilanz fiel überwiegend positiv aus. Die DFG-Vertreter lobten die große Bereitschaft, auch strukturell neue Wege zu gehen und waren beeindruckt von der guten Verankerung des Clusters an den vier Standorten. Auch die Unterstützung durch die Hochschulleitungen fand großen Anklang bei der Delegation. Beim nächsten Besuch werden das Programm zur Graduiertenförderung, das noch im Aufbau ist, sowie der weitere Personalaufbau im Visier der DFG stehen. Die Suche nach hoch qualifizierten Doktoranden und Postdoktoranden ist in vollem Gange.

Hensel-Preis

Für seinen Beitrag zur erstmaligen Beschreibung von Krankheitsgenen, die mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen assoziiert sind, erhielt Clusterforscher André Franke im Dezember 2008 den mit 100.000 Euro dotierten Hensel-Preis der Universität zu Kiel. Der Molekularbiologe ist seit August 2008 Juniorprofessor des Clusters. Als Genetiker beschäftigt sich Franke mit der Identifikation von Krankheitsgenen für komplexe Entzündungskrankheiten. Das Preisgeld investiert Franke in sein nächstes Forschungsprojekt: die Suche nach genetischen Auffälligkeiten, die verschiedene Entzündungskrankheiten gemeinsam haben.

 Wirkstoff in Erprobung

Ein von Biochemikern und Molekularbiologen des Clusters entwickeltes Designerprotein geht in die klinische Entwicklung. Der neue antientzündliche Wirkstoff, genannt sgp130Fc, ist das Ergebnis der langjährigen Zytokinforschung am Biochemischen Institut der Kieler Universität. Im Dezember unterschrieb das schweizerische Pharmaunternehmen Ferring den Lizenzvertrag mit dem Kieler Biotechnologieunternehmen Conaris, das die viel versprechende Substanz weiterentwickelt hat. Ziel ist, in wenigen Jahren ein neues Medikament gegen chronisch entzündliche Darmerkrankungen auf den Markt zu bringen.

Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin

Im Mai 2009 eröffnete der Cluster eine bundesweit einzigartige Entzündungsklinik, zunächst am Kieler Uniklinikum. Statt wie bisher von einem Facharzt zum nächsten geschickt zu werden, haben hier Patienten mit Entzündungskrankheiten alle Spezialisten an einem Ort. Alle Ambulanzen laufen über eine zentrale Anmeldung. Es gibt eine gemeinsame Sprechstunde, gemeinsame Blutabnahme und gemeinsame Therapieräume. Und das nicht nur in Kiel, sondern auch auf dem Lübecker Campus. Im Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin finden sich Entzündungsexperten aus den Fachbereichen Magen-Darm, Niere, Leber und Lunge, Rheumatologie, Kardiologie und Immunologie sowie Ärzte aus der Autoimmunsprechstunde der Haut. Mehrmals in der Woche sind interdisziplinäre Fallkonferenzen vorgesehen. Bei diesen Treffen aller Fachvertreter kommen vorrangig solche Fälle zur Sprache, die offensichtlich interdisziplinär oder besonders schwierig zu behandeln sind. Die Ärzte stehen aber nicht nur untereinander in einem ständigen fachlichen Austausch, sie halten auch regelmäßigen Kontakt zu den Wissenschaftlern des Exzellenzclusters.

CCIM

Am Kieler Uniklinikum eröffnete im Mai 2009 eine bundesweit einzigartige Entzündungsklinik. Sie steht allen betroffenen Patienten offen, egal ob Darm, Haut, Lunge oder Gelenke chronisch entzündet sind.

Kooperation mit Bad Bramstedt

Die enge interdisziplinäre Verbindung von Forschung, Diagnostik und Therapie ist das zentrale Merkmal der von Professor Wolfgang Gross etablierten Forschungsgruppe „Frühpathogenese der Wegenerschen Granulomatose: Von der natürlichen Abwehr mit Granulombildung zur Autoimmunität“. Der Internist und Immunologe Gross leitet die Klinik für Rheumatologie und Immunologie am Klinikum Bad Bramstedt. Sie ist ein überregionales Zentrum für entzündliche Systemerkrankungen (Vaskulitiden, Kollagenosen) und Arthritiden. Das Forschungslabor der Klinik ist das deutsche Referenzzentrum für die Diagnostik von Vaskulitiden (Entzündung von Blutgefäßen) und steht in engem Kontakt mit der Poliklinik für Rheumatologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck. In der klinischen Forschungsgruppe untersuchen Kliniker und Wissenschaftler aus Bad Bramstedt, Borstel, Lübeck und Kiel, wie aus einer granulomatösen Entzündung der Atmungsorgane eine autoimmune Vaskulitis entsteht. Das seit Januar 2007 von der DFG geförderte Projekt ist seit September 2008 im Cluster ein eigener Forschungszweig. „Dadurch wollen wir mit unserem Thema noch präsenter werden, denn die Vaskulitis ist ein wichtiger Bereich der Entzündungsforschung“ erläutert Projektleiter Peter Lamprecht von der Lübecker Poliklinik für Rheumatologie.“

Röhrchen

 

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