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Geschlossen zum Erfolg

Im Jahr 2004 formierte sich das Forschernetzwerk ‚Entzündung an Grenzflächen’ mit über 100 Wissenschaftlern aus Kiel, Lübeck und Borstel. Das Land Schleswig-Holstein erkannte das Potenzial der Entzündungsforschung im Land und stellte die Weichen für den letztlich erfolgreichen Antrag auf Förderung im Rahmen der Exzellenzinitiative.

Als Bund und Länder im Juni 2005 die Vereinbarung zur Exzellenzinitiative beschlossen hatten, war in Schleswig-Holstein schon längst klar, welche Schwerpunkte verfolgt werden sollen. Neben der Meeresforschung hatten die norddeutschen Universitäten in der Entzündungsforschung eine herausragende Expertise. Das Netzwerk ‚Entzündung an Grenzflächen’ arbeitete bereits seit 2004. Diese Gruppe von mehr als 100 Wissenschaftlern der Universitäten Kiel und Lübeck sowie vom Forschungszentrum Borstel und dem Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön war bereits zu einem großen Anteil in fach- und institutsübergreifenden Sonderforschungsbereichen (SFB) eingebunden oder kooperierte in BMBF-Schwerpunktprogrammen. Im Rahmen des Nationalen Genomforschungsnetz zum Beispiel erforschen seit 1998 Mitglieder des Netzwerks die genetischen Grundlagen von entzündlichen Darmerkrankungen. Diese sehr erfolgreiche Forschung läuft seit Januar 2005 im Institut für Klinische Molekularbiologie (Leitung: Professor Stefan Schreiber) an der Universität Kiel zusammen. Andere Arbeiten zur Entzündungsforschung in Kiel sind im SFB 415 ‚Spezifität und Pathophysiologie von Signaltransduktionswegen’, der bereits seit 1998 von der DFG gefördert wird, oder im SFB 617 ‚Molekulare Mechanismen der epithelialen Abwehr’ (seit 2002) angesiedelt. Forscher der Universität zu Lübeck, des Forschungszentrums Borstel und der Rheumaklinik Bad Bramstedt untersuchten über viele Jahre im SFB 367 ‚Molekulare Mechanismen entzündlicher und degenerativer Prozesse’. 2005 wurde am Lübecker Campus das Schwerpunktprogramm Autoimmunität initiiert.

Puzzle

 Vom Gen zum Mensch

Die Mitglieder des Netzwerks haben internationale Standards gesetzt. Sie identifizierten Krankheitsgene für Entzündungskrankheiten, klärten Interaktionen des Immunsystems auf und entschlüsselten komplexe Infektionswege. Neue antientzündliche Wirkstoffe entstanden im Labor, die an Tiermodellen erfolgreich getestet wurden. Mit Popgen wurde am Universitäts-klinikum Schleswig-Holstein eine der größten Biodatenbanken Europas aufgebaut, die zum Verständnis von umweltbedingten Krankheiten beitragen soll. Vor diesem Hintergrund hat der ehemalige Direktor des Forschungszentrums Borstel, Professor Ernst Theodor Rietschel, aufgefordert durch Vertreter der Landesregierung, die wissenschaftliche Grundstruktur des Clusters ‚Entzündung an Grenzflächen’, vom Gen bis zum Menschen, entworfen. Im März 2005 wurde eine Koordinationsstelle für das auf drei Standorte verteilte Forschernetzwerk eingerichtet. Esbildete sich ein Konsortium aus Wissenschaftlern aller drei Standorte, das sich seit April 2005 regelmäßig trifft und der Grundstruktur des Clusters die Inhalte hinzufügt. Bis April 2006 stellten sie den Exzellenzclusterantrag fertig. Externe Gutachter, wie der Immunologe Professor Clemens Sorg aus Freiburg sowie die amerikanischen Experten Hans Reiser und John Parkinson, die jetzt Mitglieder des Aufsichtsrats sind, haben die Antragstellung mit ihrem Rat unterstützt.

Die Exzellenzinitiative

Mit der Förderung der universitären Spitzen-forschung im Rahmen der Exzellenzinitiative sollen Leuchttürme der Wissenschaft in Deutschland entstehen, die auch international ausstrahlen. Für die Hochschulen stehen 1,9 Milliarden Euro zur Verfügung, 75 Prozent davon trägt der Bund. Gefördert werden:
Graduiertenschulen für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Sie bieten strukturierte Promotions-programme innerhalb eines exzellenten Forschungsumfeldes und eines breiten Wissenschaftsgebietes an.
Exzellenzcluster. Das sind international sichtbare und konkurrenzfähige Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen an den Universitäten, die mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Fachhochschulen und der Wirtschaft kooperieren.
Zukunftskonzepte zum Ausbau universitärer Spitzenforschung von bis zu zehn ausgewählten Universitäten. Voraussetzung ist, dass eine Hochschule mindestens ein Exzellenzcluster, eine Graduiertenschule sowie eine schlüssige Gesamtstrategie zu einem weltweit anerkannten ‚Leuchtturm der Wissenschaft’ vorweisen kann. Insgesamt 9 Zukunftskonzepte, 40 Graduierten-schulen und 37 Exzellenzcluster bekamen den Zuschlag. Die Auswahl traf eine Gemeinsame Kommission aus DFG und Wissenschaftsrat.
www.exzellenz-initiative.de
 

 

Vorschuss vom Land

Überzeugt von der Idee gab die Landesregierung dem Forschernetzwerk bereits 2005 eine erste Finanzspritze in Höhe von 2,3 Millionen Euro und stellte damit die Weichen für die später erfolgreiche Bewerbung im Rahmen der Exzellenzinitiative. Die Fördermittel flossen zum Beispiel in die viel beachtete Ausstellung ‚Medizin der Zukunft’ zum Tag der Deutschen Einheit 2006 in Kiel und in die technische Ausstattung der Forschungslabore. Eine zentrale Forschungs- und Serviceplattform, das Zentrum für Molekulare Biowissenschaften mit modernster Analysetechnik zur Genotypisierung und Sequenzierung, wurde in Kiel aufgebaut. Die weiteren Träger des Netzwerks in Lübeck und Borstel ergänzen das methodische Spektrum unter anderem durch ihre strukturbiologische Expertise und Labore der Sicherheitsstufe 3. Auch die Universitäten unterstützten frühzeitig den Schwerpunkt Entzündungsforschung, in dem sie freiwerdende Professuren so umwidmeten, dass diese zum Cluster passten und die thematischen Lücken im Antrag schlossen. Diese Professuren sind mittlerweile besetzt und werden von den Universitäten getragen.

 

 

 

 

 

 

 

Wolke schmal  

Erfolg im zwei ten Anlauf


Im Juni 2006 präsentierten Vertreter des Forschernetzwerks den Clusterantrag in Bonn und stellten sich den Fragen der internationalen Kommission aus DFG und Wissenschaftsrat. Die Entscheidung im Oktober war negativ, trotz exzellentem Gutachten. Deshalb gingen sie mit einem nahezu unveränderten Antrag 2007 in die zweite Förderrunde. Neue Forschungserkenntnisse wurden ergänzt, außerdem kam das Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön als Mitantragssteller dazu. Nach der erneuten Begutachtung wurde der Antrag am 19. Oktober 2007 bewilligt.

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