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Vorwort

Den in Deutschland bislang einmaligen Wettbewerb um erhebliche Fördersummen hat der schleswig-holsteinische Cluster zur ‚Entzündungsforschung’ im Oktober 2007 für sich entschieden. Darüber freue ich mich persönlich sehr, und das nicht nur, weil dies mein eigenes Arbeitsgebiet ist, sondern weil ich auch den Antrag der beteiligten Forschergruppen von den Universitäten Kiel und Lübeck sowie dem Forschungszentrum Borstel beratend begleiten durfte. Das Konzept des Forschungsverbunds überzeugt, sowohl was die inhaltliche Schwerpunktbildung anbetrifft, als auch bezüglich der strukturellen Ausrichtung. Den Antragstellern ist es gelungen, ihre Forschungsvorhaben präzise zu fokussieren und sich nicht zu verzetteln. Auf dieser Grundlage lässt sich auch im internationalen Wettbewerb erfolgreich arbeiten.

Das Thema selbst, die Entzündungsforschung, ist brandaktuell. Neben vielen Infektionskrankheiten sind die Chronischen Entzündungskrankheiten eine der zentralen Herausforderungen der modernen Lebenswissenschaften. Entzündungen können viele Organe betreffen: Bei Morbus Crohn zum Beispiel ist der Darm chronisch entzündet und bei Schuppenflechte die Haut. Dass die Erkrankungen eng miteinander verwandt sind, ist neu und daher vielen noch nicht bewusst. Das gehäufte Auftreten von Entzündungserkrankungen wird auf den Lebensstil der westlichen Industriegesellschaften zurückgeführt. Was jedoch die Ursachen sind, weiß bis heute niemand so genau. Sie zu ergründen und damit Möglichkeiten zu finden, den Erkrankungen vorzubeugen, ist ein Ziel des Exzellenzclusters. Die Behandlungsmöglichkeiten zu verbessern und Folgeerkrankungen zu vermeiden, sind weitere Ziele.

Clemens Sorg

Professor Clemens Sorg
steht dem Aufsichtsrat des Exzellenzcluster Entzündungsforschung vor. Der Immunologe war bis 2008 Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck. Zuvor war er viele Jahre an der Westfälischen Wilhems-Universität Münster tätig, u.a. von 1999 bis 2002 als Dekan der Medizinischen Fakultät und von 1986 bis 2007 als geschäftsführender Direktor des Instituts für Experimentelle Dermatologie. Sein wissenschaftliches Interesse gilt den Makrophagen und deren Rolle in akuten und chronischen Entzündungsreaktionen.

Bei der Erforschung von Entzündungsprozessen setzen die Clusterforscher auf einen ganzheitlichen Ansatz: Sie wollen Entzündungen an Grenzflächen von Anfang bis Ende umfassend verstehen, von der genetischen Varianz bis zur unterschiedlichen Ausprägung beim Menschen. Dabei nutzen sie das ganze Spektrum an Expertise, das die beteiligten Forschungsinstitutionen bieten. Molekularbiologen erforschen genetische Prädispositionen, Strukturbiologen klären die Beziehung zwischen Struktur undFunktion von Molekülen auf. Biologen und Immunologen untersuchen die molekularen Mechanismen der Entzündung in Zellkultur und Tiermodellsystemen. Und das alles soll in neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten münden sowie gezielte Präventionsmaßnahmen zum Beispiel in Form von Ernährungsinterventionen hervorbringen.

Mit den Arbeiten für die Bewerbung im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder ist eine einzigartige molekulare und klinische Expertise für die Entzündungsforschung und -medizin gebündelt worden. Mehr als 2000 internationale Original-Veröffentlichungen in den letzten Jahren, darunter rund hundert Publikationen in renommierten Magazinen wie Nature, Science, Cell, Immunity und Lancet, dokumentieren die weltweite Spitzenstellung der Clusterwissenschaftler.

Nicht nur inhaltlich legen die Forscher hohe Maßstäbe an, auch Forschungsstrukturen werden erneuert. Konsequent verfolgt der Cluster einen interdisziplinären Ansatz. Es werden Strukturen aufgebaut, die Fächer und Standort übergreifende Forschungskooperationen vereinfachen und Ergebnisse der Grundlagenforschung schneller Patienten zugute kommen lassen. Nachwuchswissenschaftler, die auf dem Gebiet der Entzündungsforschung arbeiten, werden in ihren Vorhaben gefördert und fortgebildet.

Der Beirat freut sich darüber, den Exzellenzcluster mit seinen Erfahrungen begleiten zu dürfen. Wir sind überzeugt davon, dass die Fördermillionen gut investiert sind und zuversichtlich, dass sich das hohe Niveau der Forschung weiter steigern und entsprechende wissenschaftliche Rendite sich bald einstellen wird.

Grafik Plattform

Die Cluster-Struktur

Die Clusterforscher sind in acht Forschungsgebieten organisiert und arbeiten in unterschiedlichen, methodischen Plattformen. Die fünf Plattformen decken die gesamte Forschungsbreite vom Gen bis zum Menschen ab und symbolisieren die vorhandene Expertise. Der Exzellenzcluster will das Phänomen Entzündung ganzheitlich erforschen und verstehen: Bei welchen Erkrankungen gibt es Gemeinsamkeiten, bei welchen Unterschiede? Auf welcher Ebene manifestieren sie sich auf welche Weise?

 

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