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Auf den Weg gebracht

Die Entwicklung des Clusters schreitet voran. Die neuen Mitglieder haben sich gut integriert und geben wertvolle Impulse. Es kristallisieren sich neue Arbeitsgebiete heraus – auf zukunftsträchtigen, aber bisher wenig erforschten  Feldern. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs kommt nicht zu kurz.

Kolleg für Nachwuchsforscher

Wissenschaftler, die im Rahmen des Exzellenzcluster Entzündungsforschung ihre Promotion anfertigen, sollen dafür ein exzellentes, kooperierendes Umfeld vorfinden. Der Cluster plant daher ein Graduiertenkolleg aufzubauen, das von Wissenschaftlern aus allen drei Forschungsstandorten gemeinschaftlich getragen wird. Ein Entwurf zur inhaltlichen und organisatorischen Gestaltung des Graduiertenkollegs liegt zurzeit bei der DFG zur Vorbegutachtung. Geplant ist, unter dem Dach eines gemeinsamen Forschungsschwerpunktes die einzelnen Projekte im Kolleg thematisch und methodisch zu vernetzen. Die Organisation des Kollegs und die wissenschaftliche Betreuung der Doktorandinnen und Doktoranden sollen die neu berufenen Cluster-Professoren übernehmen. Ziel ist, den wissenschaftlichen Nachwuchs durch die gemeinsame Arbeit im Kolleg, durch Praktika, Kolloquien und Arbeitstreffen in einer Vielzahl molekular- und zellbiologischer, tierexperimenteller und genetisch-bioinformatischer Methoden weit über das übliche Maß hinaus auszubilden. „Ein Graduiertenkolleg zieht in der Regel die allerbesten Doktoranden an und ist daher mit Sicherheit ein Gewinn“, erklärt Professor Jürgen Scheller, der Sprecher dieser Initiative.

Epidemiologische Forschung mit popgen

Einen „dicken Fisch“ hat Professor Ute Nöthlings an Land gezogen. Ganz so dick möchte die Epidemiologin am Institut für Experimentelle Medizin der Universität Kiel aber nicht auftragen. Sie ist lieber vorsichtig, denn die Planungen und Absprachen sind noch nicht abgeschlossen. Nur so viel: „Wenn es kommt, wird es eine große Ressource werden für uns lokal und für die ganze Wissenschaftsgemeinschaft.“ Und darum geht es: Die Biobank popgen wird sich unter Federführung von Ute Nöthlings in einer deutschlandweiten Kooperation an dem Aufbau einer großen Kohorte beteiligen. Für diese nationale Kohorte – nach den Initiatoren auch ursprünglich Helmholtz-Kohorte genannt – sollen deutschlandweit 200.000 Personen rekrutiert, untersucht und über viele Jahre nachbeobachtet werden. Aus Schleswig-Holstein soll popgen 10.000 Personen in die Studie einschleusen. 2012 soll die Rekrutierung starten, Pilotstudien beginnen vermutlich schon 2010.

Ressource für die Zukunft

Die in der Studie aufgenommen Personen werden umfassend medizinisch untersucht. Zusätzlich geben sie Auskunft zu Lebensstilvariablen wie Ernährungsgewohnheiten, körperlicher Aktivität und Rauchverhalten. Risikofaktoren für verschiedene Erkrankungen werden erfasst, Blut- und DNA-Proben analysiert und aufbewahrt. Vorrangig geht es um Ursachen und Einflussfaktoren für fünf Erkrankungsfelder: kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs, Diabetes, neurodegenerative Erkrankungen und Infektionserkrankungen. Aber im Grunde ist mit den erhobenen Daten noch viel mehr möglich. „Eine Kohorte ist eine Ressource, mit der man alles machen kann“, so die Epidemiologin. „Sie wird groß genug sein, um damit auch seltenere Erkrankungen erfassen und verschiedene inhaltliche Fragen beforschen zu können.“ Bis es soweit ist, brauchen jedoch alle Beteiligten Geduld. Das ist eine Ressource für die Zukunft. „Es dauert mindestens drei Jahre bis überhaupt erst mal alle Personen in die Studie eingeschlossen sind. Und dann muss man auch noch fünf bis zehn Jahre beobachten bis überhaupt genug Daten gesammelt sind, um damit zu arbeiten.“

Umwelteinflüsse und Genpolymorphismen

Mit Berufung von Ute Nöthlings in den Cluster erweiterte sich auch das Arbeitsfeld von popgen, der Biobank, die 2003 als populationsgenetisches Forschungsprojekt des nationalen Genomforschungsnetz (NGFN) gegründet wurde. „Bisher war popgen insbesondere im genetischen Bereich aktiv. „Zunehmend interessieren wir uns nun auch für die Umweltvariablen, wie z.B. die Ernährung, die körperliche Aktivität“, berichtet die Ernährungsepidemiologin. In Beobachtungsstudien sollen jetzt vermehrt auch Umweltfaktoren erfasst und in statistischen Modellen mit der Genetik in Beziehung gesetzt werden. Nöthlings: „Dabei wollen wir herausfinden, bei welcher genetischen Voraussetzung welcher Umweltfaktor welche Auswirkung hat. In einem Projekt untersuchen wir zum Beispiel wie sich genetische Polymorphismen und Rauchen auf das Risiko für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen auswirken.“

Internetplattform für Interna

Das Intranet zur internen Kommunikation ist aufgebaut. Alle Cluster-Mitglieder sind eingeladen, dieses Forum rege zu nutzen, zum Beispiel um sich in einem kurzen Profil vorzustellen, über ihre Arbeiten zu informieren, Techniken, Methoden, Verfahren, Modelle und Geräte vorzustellen oder auch nach Kooperationspartnern für Projekte zu suchen. So können die Entwicklungen innerhalb der Forschergemeinschaft schnell verbreitet werden. „Unsere Stärke ist, dass wir vernetzt über die Cluster-Standorte eine Fülle von Methoden und Techniken haben, die von allen im Verbund genutzt werden können“, erklärt May-Britt Burdorf, die das Intranet pflegt. Das funktioniert natürlich nur, wenn sich viele beteiligen. Damit die Mitglieder möglichst wenig Arbeit haben, hat sie Vorlagen zur Datenübermittlung ins Netz gestellt. Hier können die Wissenschaftler ohne großen Aufwand zum Beispiel Name und Verwendungszweck ihrer Methode eintragen und abschicken. Die Mitarbeiterin der Cluster-Geschäftsstelle stellt die Inhalte ein, aktualisiert den Terminkalender des Clusters und pflegt die Nachrichtenseite. Diese umfasst nicht nur Neuigkeiten aus dem Cluster wie aktuelle Forschungsergebnisse und dergleichen, sondern zum Beispiel auch Ausschreibungen für Preise oder Stipendien und die Bewerbungsfristen dafür. Daneben sind auch Formulare für Ausschreibungen und Miniproposals, Vorlagen für Powerpoint-Präsentationen, Word-Dokumente und Cluster-Logos sowie pdf-Versionen von Broschüren, Cluster-Newsletter oder Darstellungen des Clusters in der Presse über das Intranet abrufbar.


Jürgen Scheller
ist seit Juli 2008 Cluster-Professor für Signaltransduktion von Zytokinen an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Der Biochemiker erforscht am Mausmodell, wie sich die Botenstoffe des Immunsystems gegenseitig beeinflussen und über Interleukin 6 gesteuert werden.

Jürgen Scheller

 

 Ute Nöthlings
ist seit Januar 2009 Cluster-Professorin für Epidemiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke. Die Ernährungsepidemiologin erforscht die Gen-Umwelt-Interaktionenbei chronischen und entzündungsbasierten Erkrankungen.

Ute Nöthlings

Meilensteine der Entzündungsforschung

(Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)

Meilensteine1

Meilensteine2

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