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Preise, Projekte, Projektionen

Sie werben erfolgreich Drittmittel ein, bringen neue Großprojekte auf den Weg, entwickeln innovative Methoden und testen neue Therapien. Wissenschaftler des Exzellenzcluster Entzündungsforschung gehen neue Wege, leisten Herausragendes und mitunter auch Preiswürdiges.

Auszeichnung für Tuberkuloseforschung

Professor Stefan Ehlers, Leiter des Bereichs „Mikrobielle Entzündungsforschung“ am Forschungszentrum Borstel und Professor für Molekulare Entzündungsmedizin an der Universität Kiel, erhält den ersten „Hamburger Wissenschaftspreis“ der Akademie der Wissenschaften in Hamburg. Ausgezeichnet wird Ehlers für die Entwicklung kliniknaher Modellsysteme zur Erforschung der Krankheitsausprägung und Behandlung der Tuberkulose. Der Preis ist von der Hamburgischen Stiftung für Wissenschaften, Entwicklung und Kultur Helmut und Hannelore Greve mit einem Preisgeld von 100.000 Euro dotiert. Professor Heimo Reinitzer, Akademiepräsident und Vorsitzender der Jury würdigt Ehlers als exzellenten Grundlagenforscher auf dem Gebiet der Biomedizin, „der immer auch die diagnostische und therapeutische Relevanz seiner Forschungen im Blick hat.“ Die Arbeit von Ehlers entspreche den Zielen des Preises in „idealer Weise“, da sie eine herausragende wissenschaftliche Leistung sei und gleichzeitig dem Wohl der Menschen diene. Ehlers will mit dem Preisgeld am Forschungszentrum Borstel eine neue Teststation einrichten, um neue Antibiotikatherapien gegen resistente Tuberkulose-Erreger in Tiermodellen zu prüfen.

Leibniz-Preis an Cluster-Wissenschaftler

Der Lübecker Hormon- und Gehirnforscher Professor Jan Born erhielt für seine richtungsweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der Schlafforschung den Leibniz-Preis, die renommierteste deutsche Auszeichnung für Forscher. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) vergebene Preis ist mit 2,5 Millionen Euro dotiert. Der Direktor des Instituts für Neuroendokrinologie der Universität Lübeck untersucht vor allem, wie im Schlaf Gedächtnis gefestigt wird. Dabei konnte er zeigen, dass im Schlaf auch kognitive Prozesse wie Problemlösungsstrategien stattfinden.

DFG-Förderung für innovative Antibiotikaforschung

Der Kieler Biochemiker Professor Jens-Michael Schröder ist auf der Suche nach neuartigen Antibiotika, gegen die Krankheitserreger keine Resistenz entwickeln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligte ihm dafür ein Reinhart Koselleck-Projekt und unterstützt seine Arbeit in den kommenden fünf Jahren mit 1,25 Millionen Euro. Gefördert werden nur solche Forschungsvorhaben, die besonders innovativ oder – im positiven Sinne – risikoreich sind, indem sie gewagte Ideen verfolgen oder neue bzw. neu angewendete Methoden einsetzen. Die Gutachter sahen Schröders Vorhaben als so spannend an, dass schon die Überprüfung der Idee an sich als lohnenswert eingestuft wurde. „Der Antrag enthält drei originelle Hypothesen“, erläutert Schröder, „die ‚Nano-Nadeln‘, ‚Trojanische Pferde‘ und neue Antibiotika.“ Bakterien haben eine Reihe von Strategien entwickelt, die sie resistent gegen herkömmliche Antibiotika machen. Um diese Methoden zu unterlaufen, hat sich Schröder verschiedene Ansätze überlegt. So könnten sich Haut-Eiweiße durch Kontakt mit gefährlichen Bakterien in neuen, größeren Einheiten zusammenlagern, die mikroskopisch kleinen Nadeln gleichen. Diese ‚Nano-Nadeln‘ würden die Krankheitserreger dann im Prinzip erstechen. Neben diesem mechanischen Ansatz verfolgt der Biochemiker auch eine an das Modell ‚Trojanisches Pferd‘ angelehnte Methode. Bei dieser Art der Bekämpfung von Krankheitserregern würden die Bakterien von der Haut abgesonderte Stoffe nichts ahnend aufnehmen, die sich erst dann in Antibiotika umwandeln und sie so von innen töten. Als Drittes folgt Schröder der Spur, dass die (Schleim-)Haut auf ihrer Oberfläche in Sekreten, Schleim und Schweiß besondere Antibiotika bereitzustellen scheint, die in den Bakterien eine Schwachstelle treffen und damit eine Resistenzbildung unmöglich machen. Schröder ist Leiter der Klinischen Forschergruppe „Mechanismen Kutaner Entzündungsreaktionen“ an der Universitätshautklinik Kiel.

Neuer SFB untersucht Folgen der Proteinspaltung in Zellen

Professor Stefan Rose-John, Direktor des Biochemischen Instituts an der Universität Kiel, hat einen neuen Sonderforschungsbereich auf den Weg gebracht: den SFB 877 mit dem Titel „Proteolyse als regulatorisches Element der Pathophysiologie“. Proteine sind essenzielle zelluläre Bausteine mit vielfältigen strukturellen und regulatorischen Funktionen. Proteinmodifikationen sind wichtige physiologische Steuerungselemente, können aber auch ursächlich an der Entstehung von Krankheiten, wie Entzündung, Krebs und dem Absterben von Nervenzellen, beteiligt sein. Der SFB 877 beschäftigt sich mit Signalwegen im Zellinneren und zwischen Zellen, die durch eine besondere Form der Proteinmodifikation, der Spaltung von Proteinen, ausgelöst werden. „Während die meisten Veränderungen an Proteinen in Sekundenbruchteilen umkehrbar sind, ist ihre Spaltung – die Proteolyse – irreversibel und nimmt daher eine bislang wenig untersuchte Sonderstellung ein“, erklärt Rose-John, der im Cluster den Forschungsbereich F „Zytokin-Signalwege über gp130“ koordiniert. Er vermutet, „dass es sich hier um Hauptschalter der Zellkommunikation handelt, die bei der Entstehung vieler Krankheiten gestört sind.“ Erste Ergebnisse aus dem Konsortium unterstützen diese Hypothese. Im Förderverlauf wollen die beteiligten Arbeitsgruppen und das integrierte Graduiertenkolleg aufklären, wie zelluläre Proteinspaltungsprozesse reguliert und koordiniert werden. „Wir wollen herausfinden, welche Veränderungen dieser Prozesse an der Entstehung von Krankheiten beteiligt sind“, so Rose-John. Die natürliche Variabilität von menschlichen Genen, die die Spaltung von Proteinen beeinflussen, soll beschrieben und Assoziationen mit Erkrankungen sollen aufgeklärt werden. Fernziel ist, diese Erkenntnisse zu neuartigen therapeutischen Konzepten für die Behandlung von Menschen mit Entzündungskrankheiten, neurodegenerativen Erkrankungen und Krebs weiterzuentwickeln.

Cluster-Symposium

Die zweite Cluster-Konferenz vom 9. bis 11. Juli 2009 begann mit einem besonderen Eröffnungsabend im Kieler Schloss. Die amerikanische Mikrobiologin Professor Margaret McFall-Ngai, Universität Wisconsin, hielt den 500 Gästen einen informativen und humorvollen Vortrag über die lebenswichtige Rolle der Bakterien im menschlichen Körper. Hoch konzentriert, virtuos und sinnlich präsentierte der Weltklassepianist Boris Bloch Werke klassischer Komponisten. Über die Konferenz im Kieler Audimax mit fast 300 Teilnehmern berichteten Hörfunk und Fernsehen des NDR. Organisator Professor Thomas Bosch vom Zoologischen Institut der Universität Kiel hob die Teilnahme internationaler Spitzenforscher hervor und lobte die Nachwuchswissenschaftler: „In einzelnen Gruppen wurde Bahnbrechendes geleistet.“ Der Cluster verändere traditionelle Strukturen, konstatierte der Kieler Molekularbiologe und Cluster-Sprecher Professor Stefan Schreiber: „Unsere interdisziplinären, standort-übergreifenden Projekte transformieren die Fakultäten. Vor allem junge Wissenschaftler nutzen die sich bietenden Brücken. Der Cluster verändert die Forschung und wird zur Keimzelle einer modernen interdisziplinären Medizin.“ Professor Per Brandzæg, Pathologe aus Oslo und Mitglied im Supervisory Board, war beeindruckt: „Interaktion über vier Standorte hinweg ist nicht leicht. Aber die Konferenz zeigt, was der Cluster leisten kann, wenn die Forscher ihr Wissen zusammentragen und miteinander kommunizieren.“

Gemeinsamer Workshop von Ozean- und Entzündungscluster

Bei einem Workshop im Kieler Zoologischen Museum vom 6. bis 8. Juli 2009 diskutierten 80 Wissenschaftler die Rolle von Wirt-Bakterien-Beziehungen im Verlauf der Evolution. Die Veranstaltung wurde finanziell unterstützt vom Cluster Entzündungsforschung und dem Kieler Exzellenzcluster Ozean der Zukunft. „Wir haben herausgefunden, dass es in Kiel und Umgebung das Potenzial für einen neuen Sonderforschungsbereich gibt“, erklärte Professor Thomas Bosch, Organisator des Workshops. Das bestätigte auch Professor Margaret McFall-Ngai, eine renommierte Mikrobiologin aus den USA, die den Workshop moderierte. Sie stellte fest: „Die Wissenschaftler hier gehören weltweit zu den Pionieren auf diesem Forschungsgebiet. Dazu kommen eine überragende Infrastruktur und eine sehr ausgefeilte Vision: Was will man mehr?“ Sie bot an, weiterhin als Beraterin zur Verfügung zu stehen.

Therapie gegen Hauterkrankungen

Eine Forschungsgruppe des Clusters um Dr. Enno Schmidt und Professor Detlef Zillikens von der Universitätshautklinik Lübeck entwickelt gemeinsam mit zwei Partnern aus der Industrie eine neue Behandlungsmethode gegen blasenbildende Hautkrankheiten. Bei diesen bisher unheilbaren Autoimmunerkrankungen greifen körpereigene Antikörper die Haut an – sie wirft Blasen und löst sich ab. Die neue Therapie soll zielgenau nur die krankmachenden Antikörper entfernen. „Unsere Forschung gibt allein in Deutschland rund 2.000 Menschen Hoffnung, ihre Leiden zu lindern. Womöglich können Patienten sogar geheilt werden“, erklärt Detlef Zillikens, der den Forschungsbereich H „Autoimmunität gegen Typ VII Kollagen“ im Cluster koordiniert. Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und das Land Schleswig-Holstein unterstützen das Projekt in den nächsten drei Jahren mit mehr als einer Million Euro.

 

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