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Familienstudie

zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

Mit dem Ziel, Risikofaktoren und Prädiktoren für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) zu identifizieren, wurde in Kiel mit dem Aufbau der CED-Familienstudie begonnen. Durch langfristige wissenschaftliche Begleitung von CED-Kranken und deren Angehörigen sollen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten aufgedeckt werden, die mit der Krankheitsentstehung zusammenhängen. In Blut- und Stuhlproben wird nach Markern gesucht, die den Ausbruch der Erkrankung oder komplizierte Verläufe vorhersagen könnten.

Was unterscheidet Menschen, die eine chronisch-entzündliche Darmkrankheit (CED) bekommen, von anderen, die gesund bleiben? Welche Ernährungs- oder Lebensgewohnheiten können mit dem Ausbruch von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa in Zusammenhang gebracht werden? Und wie kann man frühe Erkrankungsformen erkennen? Um Antworten auf diese und weitere Fragen zur Krankheitsentstehung zu bekommen, hat der Exzellenzcluster Entzündungsforschung durch die Biobank popgen am Kieler Institut für Epidemiologie mit dem Aufbau einer familienbezogenen Kohortenstudie zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen begonnen. „Dieser Ansatz ermöglicht es uns, gesunde Personen, die eine gewisse Wahrscheinlichkeit haben, CED zu bekommen, langfristig wissenschaftlich zu untersuchen“, erklärt Institutsleiter Professor Wolfgang Lieb. Denn Angehörige von CED-Patienten haben ein höheres Erkrankungsrisiko als die Allgemeinbevölkerung. Das familiäre Risiko für eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung liegt bei etwa 5 Prozent, wenn die Erkrankung bei einem Verwandten ersten Grades vorliegt. In der Allgemeinbevölkerung erkranken pro Jahr etwa 5 von 100.000. „Deshalb konzentrieren wir uns darauf, Familien zu untersuchen“, so Lieb.

„Aufgenommen in die Studie werden Menschen mit CED, deren gesunde oder ebenfalls erkrankte Kinder und Geschwister sowie die Eltern von Kindern mit CED“, ergänzt die Studienärztin Dr. Marie Tempel. Die Rekrutierung umfasst das gesamte Bundesgebiet und auch die europäischen Nachbarn. Bereits nach einem halben Jahr haben fast 1000 Personen ihre Teilnahme zugesagt. Sie geben mittels Fragebogen Auskunft über ihren allgemeinen Gesundheits-zustand, ihre körperliche Aktivität und Ernährungs-gewohnheiten und liefern eine Blut- und Stuhlprobe ab. Diese Daten- und Probenerfassung soll alle ein bis zwei Jahre wiederholt werden.

„Wir hoffen, langfristig Ergebnisse zu erzielen, die erstens zu einer gezielteren Risikoeinschätzung und Vorbeugung der CED führen und zweitens die Therapiemöglichkeiten und damit die Lebensqualität von Betroffenen verbessern“, erklärt Lieb.
 
Wolfgang Lieb leitet seit November 2012 das Institut für Epidemiologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Er untersucht Faktoren, die Gesundheit und Krankheit in der Bevölkerung beeinflussen und leitet das nördlichste Studienzentrum der Nationalen Kohorte (Nako-Studie).

Marie Tempel ist seit Juni 2013 Studienärztin am Institut für
Epidemiologie der Christian-Albrechts-Universität
zu Kiel. Sie betreut die bundesweite CED-Familienstudie
in Kooperation mit der Klinik für
Innere Medizin I, UKSH.

Die Grundlage dafür soll die Studie liefern, indem sie

  • neue genetische und nicht-genetische Risikofaktoren für CED identifiziert, zum Beispiel bestimmte Lebensgewohnheiten, Ernährungsbestandteile, Serum- oder Stuhlproteine
  • statistische Modelle entwickelt, mit denen besser vorhergesagt werden kann, wer an CED erkrankt und wer gesund bleibt
  • nach Frühformen (Veränderungen im Blut oder im Stuhl) sucht, die das Auftreten einer CED vorhersagen
  • Krankheitsverläufe langfristig beobachtet, um Komplikationen besser vorhersagen zu können.

Bei denen, die im Studienverlauf neu an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa erkranken, geht es darum, die Daten und Proben danach zu analysieren, wie sie sich von denen unterscheiden, die nicht erkrankt sind. Bei bereits zu Studienbeginn erkrankten Teilnehmerinnen und Teilnehmern geht es darum, den Krankheitsverlauf zu dokumentieren und möglicherweise Vorhersagefaktoren für eine Komplikation zu identifizieren.

 

Steckbrief Cluster-Labor XI

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