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Im Dialog

Mit Wissenschaft, Politik und Gesellschaft

Die Arbeit des Exzellenzclusters Entzündungsforschung ist auch für internationale Gäste von Interesse. Mehrere hundert Gäste aus aller Welt kamen, um beim Symposium des Clusters im Februar teilzunehmen. Gepflegt werden aber auch die lokalen Kontakte, zum Beispiel bei der Kieler Woche, sowie der Austausch der Cluster-Mitglieder untereinander beim Retreat. Mit Blick auf die nächste Runde der Exzellenzinitiative wurden die Diskussionen mit politischen Akteuren im Land intensiviert und innovative Strukturen geschaffen.

 

Interdisziplinär und innovativ – 21 Projekte erhalten Cluster-interne Förderung  

Die zweite Runde der Cluster-internen Projektförderung startete im Januar 2015. Von den eingereichten 23 Anträgen wurden sechs für eine Förderung bis zum Ende der Clusterlaufzeit ausgewählt. Zusammen mit den seit März 2013 geförderten Projekten der ersten Runde erhalten oder erhielten insgesamt 21 Projekte eine Cluster-interne Förderung. Sie behandeln Hauptthemen des Clusters und beziehen dabei neue und originelle wissenschaftliche Fragestellungen und Methoden ein. Alle Vorhaben werden im Detail in diesem Jahresbericht (ab S. 20) und dem für 2016 vorgestellt.

Internationales Symposium

Vom 26. bis 28. Februar folgten rund 340 nationale und internationale Gäste der Einladung des Exzellenzclusters zum 5. Symposium ‘Inflammation at Interfaces‘ ins Audimax der Kieler Universität. Am ersten Veranstaltungstag stellten die Cluster-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler die von ihnen geleiteten Verbundprojekte vor. Daran schloss sich das eigentliche Symposium mit einem hochkarätigen Vortragsprogramm an. Neben Cluster-Mitgliedern kamen auch Gäste aus dem In- und Ausland auf das Podium. Die Key Note Lectures hielten: Marja Jäättelä, Danish Cancer Society (Kopenhagen, Dänemark), Teresa Zelante, Universität Perugia (Italien), Andrew Paterson,GEM-Projekt, SickKids (Toronto, Kanada), Andrew Gewirtz, Georgia State University (Atlanta/USA), Michael Zasloff, Georgetown University Hospital (Washington/USA), Rudi Balling, Luxemburg Centre for Systems Biomedicine (Luxemburg), Jan Wehkamp, Universitätsklinikum Tübingen (Deutschland), Rikard Holmdahl, Karolinska Institut (Stockholm, Schweden), Sergio Grinstein, SickKids (Toronto, Kanada). Das Programm konzentrierte sich auf die zukunftsgerichteten Themen des Clusters. „Wir erleben aktuell ein sich wandelndes Verständnis für die Ursachen von Entzündungsprozessen und damit verbundenen Erkrankungen“, so Professor Rudi Balling, Luxembourg Centre for Systems Biomedicine und Sprecher des Wissenschaftlichen Beirates des Clusters. „Nicht länger sind genetische Faktoren allein ursächlich, sondern Umwelteinflüsse wie Ernährung oder Infektionen werden zunehmend bedeutsamer für das Verständnis chronischer Entzündungen.“ Ein wichtiger Themenschwerpunkt waren auch IT-Infrastrukturen für die Auswertung großer Datenmengen. Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters, betonte die Bedeutung eines gut strukturierten IT-Systems: „Die individualisierte Medizin, die wir im Cluster als Zukunftsvision haben, muss auf einer sehr gut geplanten IT-Infrastruktur aufbauen. Nur so können wir zukünftig medizinische Daten sinnvoll miteinander verknüpfen und daraus einen Mehrwert für die Patientinnen und Patienten schaffen.“ Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler hatten die Möglichkeit, ihre wissenschaftlichen Arbeiten bei Posterpräsentationen vorzustellen. Der Cluster ehrte drei Poster mit jeweils 800 Euro.

Cluster auf der Kieler Woche

Zur Kieler Woche im Juni 2015 hat die Uni Kiel wieder ein buntes Programm auf die Beine gestellt. Auch der Exzellenzcluster Entzündungsforschung war mit einem Ausstellungsstand vertreten, einige Cluster-Professoren informierten in Vorträgen über aktuelle Themen. So berichtete Professor Christoph Kaleta über „Alterung, Krebs und Unsterblichkeit – Einsichten in eine komplexe Beziehung“. Mit „Evolution von Antibiotikaresistenzen in menschlichen Krankheitskeimen“ setzte sich Professor Hinrich Schulenburg auseinander. Weitere Themen waren: „Bevölkerungsmedizin – Den Volkskrankheiten auf der Spur“ und „Biomedizinische Grundlagenforschung führt zu therapeutischen Fortschritten.“

Antimikrobielle Peptide im Fokus

Mit einem internationalen Symposium zu antimikrobiellen Peptiden (AMP) verabschiedete die Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am UKSH, Campus Kiel den langjährigen Mitarbeiter Professor Jens-Michael Schröder in den Ruhestand. Redner aus dem In- und Ausland beleuchteten bei der Tagung am 30. Mai 2015 das Themenfeld AMP, auf dem Cluster-Mitglied Schröder in den letzten 20 Jahren tätig war. Der Kieler Dermatologe hat die Klinische Forschergruppe „Mechanismen Kutaner Entzündungsreaktionen“ initiiert und geleitet. Hier werden seit Jahren AMP und ihre Funktionsweise erforscht, und das Kieler Team leistete auf diesem Gebiet wichtige Pionierarbeit.

(Post)Doc und Cluster-Retreat in Bad Segeberg

Rund 120 Clustermitglieder trafen sich am 17. und 18. Juli in Bad Segeberg zum jährlichen Cluster-Retreat. Schwerpunkt waren die Vorstellungen der Cluster-Labore, die am Ende des Retreats durch den Wissenschaftlichen Beirat evaluiert wurden, siehe auch S. 4–5. Im Vorfeld zum Retreat trafen sich die Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler zum fachlichen Austausch beim (Post)Doc Retreat. Sie lernten hier unter Anleitung einer externen Trainerin Präsentations- und Moderationstechniken kennen. Das Erlernte wurde im Anschluss direkt in Präsentationen und damit verbundenen Moderationen umgesetzt. Beim Cluster-Retreat stellten sich die sieben Cluster-Labore und alle Projekte aus der ersten und zweiten Cluster-internen Projektausschreibung dem Auditorium vor. Das Spektrum der vorgestellten Themen reichte von epigenetischen Studien, über immunologische Themen bis hin zu soziologischen Fragestellungen. In den Vorträgen wurde deutlich, dass innerhalb des Clusters eine große Bandbreite von Themen vertreten ist, an denen interdisziplinär und standortübergreifend geforscht wird. In einer internen Vorstandssitzung, in der die Präsidien beider Universitäten vertreten waren, diskutierten die Anwesenden mit dem Wissenschaftlichen Beirat, der deutliche Empfehlungen für die zukünftige Ausrichtung des Clusters gab.

Künstlerische Perspektive

Am 4. November 2015 startete eine Kooperation des Clusters mit der Muthesius Kunsthochschule Kiel (MKH) zum Thema „Das Mikrobiom – der Mensch ist nicht allein!“ mit einer Auftaktveranstaltung im „Kesselhaus“ der Kunsthochschule. Vor 70 Studierenden stellten Cluster-Mitglieder ihre Forschungsfelder vor und warben für eine kreative Umsetzung dieser Themen. In Kurzvorträgen stellten acht Cluster-Wissenschaftler konkrete Forschung vor. Für Studierende an der MKH startete mit dem Wintersemester 2015/16 der erste Teil der Kooperation in Form einer theoretischen Einführung. Im Sommersemester 2016 schließt sich der zweite Teil, die künstlerische Umsetzung an. Ziel ist eine Form der Wissenschaftskommunikation zu schaffen, die Texte oder (bewegte) Bilder nicht leisten können. Themen sollen nicht nur visualisiert werden, vielmehr ist es die andere Sichtweise der Kreativen und die daraus folgende Übersetzung der Themen in eine verständliche Sprache das große Plus des Projektes.

Nächtliche Cluster-Vorträge in Kiel

Am 20. November 2015 lud die Kieler Uni wieder zur langen Vorlesungsnacht „Night of the Profs“ ein. Unter dem Motto „schneller – höher – stärker“ hielten Lehrende allgemein verständliche und kurzweilige Vorträge. Auch vier Cluster-Professoren waren in diesem Jahr dabei. Professor Bernhard Thalheim (Institut für Informatik, Kiel) sprach über Big Data. Professor Arne Traulsen (MPI Plön) untersuchte in seinem Vortrag die Evolutionstheorie und fragte sich: „Gewinnen immer nur die Starken?“. PD Dr. Franz-Josef Müller (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Kiel) machte in seinem kurzweiligen Vortrag eine Exkursion durch das Reich der Stammzellen. Er sprach dabei „Von Monstern, Menschen und Mäusen“. Professor Manfred James Müller (Institut für Humanernährung, Kiel) hielt einen Vortrag zum Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Wachstum, Konsum und daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen.

Interesse der Politik

Der Cluster rüstet sich für die nächste Runde der Exzellenzinitiative und setzt innovative Akzente sowohl inhaltlich als auch strukturell. Die Planungen erfolgen in engem Austausch mit den schleswig-holsteinischen Partnerorganisationen sowie Vertreterinnen und Vertretern der Landespolitik.

Zukunftsausrichtung des Cluster

Am 7. und 8. November 2015 fand im Schleswig-Holsteinischen Landtag der Zukunftskongress der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel statt. Unter dem Motto „Forschung und Bildung für das 21. Jahrhundert“ ging es um grundlegende Forschungsthemen der Zukunft und den Dialog darüber mit der Gesellschaft. Die Veranstaltung richtete sich daher auch ausdrücklich an die Öffentlichkeit und beteiligte neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auch Vertreterinnen und Vertreter der Landespolitik sowie Fachleute aus dem Bereich Hochschul- und Bildungspolitik. Inhaltlicher Schwerpunkt des ersten Tages war die „Medizin der Zukunft“. Nach einer kurzen Einführung durch Cluster-Mitglied Professor Philip Rosenstiel vom Institut für Klinische Molekularbiologie, Kiel, hielten vier Gastdozenten Impulsvorträge zu verschiedenen Themen. Einer von ihnen war Professor Ernst Th. Rietschel, der unter anderem Gründungsdirektor des „Berlin Institute of Health“ ist. In seinem Vortrag verwies er besonders auf ein Defizit der Translation. Die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Praxis erfolge oft unzureichend und zu langsam. Ein gemeinsames Fazit war, dass Medizin heute eine globale Disziplin ist. Der wissenschaftliche Nachwuchs sei daher sehr mobil und müsse durch entsprechende Karriereoptionen am Standort gehalten werden.

Deutschlandweit einmalig: Förderprogramm „Schleswig-Holstein-Excellence-Chairs“

Am 19. November 2015 haben die Universitäten Kiel und Lübeck in einem gemeinsamen Förderprogramm acht sogenannte „Schleswig-Holstein-Excellence-Chairs“ ausgeschrieben. Die medizinische und naturwissenschaftliche Forschung in den angewandten Lebenswissenschaften im Exzellenzraum Schleswig-Holstein soll hiermit deutlich gestärkt werden. Bei dem Programm handelt es sich nicht um die Ausschreibung ordentlicher Professuren. Vielmehr richtet es sich an W2– und W3- Professorinnen und -Professoren der Universitäten Kiel und Lübeck, die sich durch herausragende Leistungen im Umfeld des Themenschwerpunktes Entzündungsforschung auszeichnen. Diesen Spitzenkräften bieten die „SH-Chairs“ eine wissenschaftlich exzellente und belastbare Lebens- und Karriereperspektive am Standort Schleswig- Holstein, die mit den hervorragenden Möglichkeiten an Spitzenforschungsinstituten im Ausland vergleichbar ist. Erfolgreiche Bewerberinnen und Bewerber erhalten eine finanzielle Förderung des eigenen Forschungsumfeldes für bis zu maximal zweimal sechs Jahre.

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