Sie sind hier: Startseite / Newsroom / Jahresberichte / 2016 / Excellence-Chairs

Excellence-Chairs

Pioniere in Schleswig-Holstein

Mit Unterstützung der Landesregierung hat der Cluster das neue und bundesweit einzigartige Förderprogramm „Schleswig-Holstein Excellence-Chairs“ auf den Weg gebracht und damit wichtige strukturelle Weichen für die medizinische Forschung im Land gestellt. Das Programm fördert die translationale Spitzenforschung und verhindert das Abwandern von Exzellenz. Die ausgewählten Forscher sind international anerkannt und können ihre zukunftsträchtigen Forschungsprojekte am Standort Schleswig-Holstein auf international konkurrenzfähigem Niveau fortführen. Über die geplante Weiterentwicklung des Clusters mit Blick auf die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder informierte ein Parlamentarischer Abend.

„Wir wollen bestmögliche Rahmenbedingungen für unsere Universitäten und deren Partnereinrichtungen. Und wir unterstützen unsere Universitäten nach Kräften.“ Mit diesen Worten unterstrich Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Kristin Alheit das weitere finanzielle Engagement des Landes für den Cluster bei einem Parlamentarischen Abend zum Thema „Präzisionsmedizin in Schleswig-Holstein“. Auf Einladung der Universitätspräsidenten von Kiel und Lübeck, Prof. Lutz Kipp und Prof. Hendrik Lehnert, informierten sich am 10. März 2016 rund 80 Gäste über die zukünftigen Pläne. In einer hochrangig besetzten Diskussionsrunde wurde dieses bedeutende Forschungsthema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Neben Ministerin Alheit sowie den Universitätspräsidenten äußerten sich auch Abgeordnete des Schleswig-Holsteinischen Landtags und des Bundestages über ihre Erwartungen an die dritte Phase der Exzellenzinitiative. Statements gab es unter anderem auch von Professor Christoph Kratky aus Graz, Österreich, einem Mitglied der Imboden-Kommission, Professor Jürgen Zöllner, ehemaliger Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Berlin, und Professor Peter Frankenberg ehemaliger Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Baden-Württemberg, sowie Professor Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Großes Lob für das bisher Geleistete kam vom schleswig-holsteinischen Bundestagsabgeordneten Thomas Stritzl. So werde in Berlin mit Hochachtung über die Forschungsleistung der beiden schleswig-holsteinischen Exzellenzcluster geredet. Stritzl: „Beide Cluster sind von solch anerkannter herausgehobener Exzellenz, dass man stolz
sein kann zu sagen, das findet in unserem Land statt.“

Wichtige Weichenstellung

Für den Wettbewerb um die Fördermillionen von Bund und Ländern schafft der Cluster neue Strukturen. Dazu zählen insbesondere die „Schleswig-Holstein Excellence-Chairs“ (SH-Chairs). CAU-Präsident Professor Lutz Kipp bezeichnet die Initiative als wegweisend: „Zusammen mit unseren Partnern in Lübeck sind wir einer der bedeutendsten Standorte für die Lebenswissenschaften in Deutschland. Mit den Excellence-Chairs haben wir ein Förderprogramm geschaffen, welches ein bundesweites Vorbild sein kann.“ Das Konzept der SH-Chairs und die Bündelung der Expertise in einem translationalen Forschungsrahmen sind deutschlandweit einmalig. „Wir erlauben bereits ordentlich berufenen Professorinnen und Professoren in Schleswig-Holstein sich hier einen Namen zu machen und zu zeigen, was in ihnen steckt. Aber wir erlauben es nicht einem einzelnen, sondern im Verbund“, erklärt Cluster-Sprecher Professor Stefan Schreiber.

Vorteil für die Krankenversorgung

Mit diesem Förderprogramm geht der Cluster nicht nur gestärkt und selbstbewusst in die Antragsphase der Exzellenzstrategie, es ist insbesondere auch eine Entwicklung, die den Patientinnen und Patienten mit chronischen Entzündungsprozessen zu Gute kommen wird. Die Universitäten, die biomedizinische Grundlagenforschung betreiben, betreten hier organisatorisches Neuland, um Exzellenz und Spitzenforschung zu bündeln und eine neue „Governance“ in der akademischen Forschung zu etablieren. Es wird außerdem die enge Interaktion mit dem zweitgrößten Universitätsklinikum Deutschlands, dem UKSH, weiter intensivieren. Dadurch wird ein Forschungsumfeld geschaffen, das über die enge Verzahnung der Krankenversorgung mit der bereits vorhandenen Forschungsexzellenz auch international herausragend ist. Nicht zuletzt werden die von entsprechenden Krankheiten Betroffenen so unmittelbar von den Forschungsergebnissen aus dem Cluster profitieren, weil sie nach den allerneusten Erkenntnissen behandelt werden.

Kompetenter Coach

Seit Januar 2016 unterstützt Professor Ernst Theodor Rietschel für zwei Jahre den Cluster als „Senior Advisor“. Der frühere Präsident der Leibniz-Gemeinschaft war bis 2015 Vorstandsvorsitzender des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (kurz: BIH, „Berlin Institute of Health) und ist wie kein Anderer qualifiziert dem Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces“ bei der Weiterentwicklung beratend zur Seite zu stehen und damit diesen für eine erfolgreiche Teilnahme an der Exzellenzstrategie zu unterstützen.
Ernst Th. Rietschel war von 1980 bis 2005 Professor für Immunchemie und Biochemische Mikrobiologie an der Universität zu Lübeck und zugleich Direktor des Leibniz-Zentrums für Medizin und Biowissenschaften in Borstel (FZB). Er ist Mitglied der Leopoldina und EU-Beauftragter des Präsidiums der acatech und hat neben dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse zahlreiche weitere Ehrungen erhalten. Ihm ist als Gründungsdirektor des BIH in kurzer Zeit die Überführung des Max-Delbrück-Centrums (Helmholtz-Einrichtung) und der Charité in eine neue, komplizierte Rechtskonstruktion erfolgreich gelungen. Rietschel ist eingehend mit der Translationsmedizin und -forschung vertraut, das heißt mit der Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Medizin. Im Rahmen seiner Beratertätigkeit wird er den Kontakt zwischen dem Cluster-Vorstand (Steering Commitee) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel intensivieren und den Cluster in Fragen der inhaltlichen und strategischen Ausrichtung beraten.

Exzellenz für Schleswig-Hostein

Die SH-Chairs sind ein wirksames Förderinstrument, das bereits an den Universitäten Kiel  und Lübeck bestehende Professuren für einen Zeitraum von maximal zweimal sechs Jahren durch eine deutliche finanzielle und personelle Aufstockung ihres Forschungsumfeldes aufwertet. Insgesamt acht Millionen Euro investiert das Land Schleswig-Holstein hiermit in die translationale medizinische Spitzenforschung. Beide Universitäten haben sich auf das gemeinsame Förderprogramm verständigt. Das Programm ermöglicht es, die jungen und sehr erfolgreichen Professorinnen und Professoren an den Cluster-Standorten zu halten.
Ein externer Beirat hat in 2016 über die Vergabe der Schleswig-Holstein Excellence-Chairs (SH-Chairs) entschieden. Aus den zahlreichen Bewerbungen wurden in einem zweistufigen Verfahren acht international anerkannte Spitzenforscher aus allen vier Cluster-Standorten ausgewählt. Sie werden jeweils für einen Zeitraum von maximal sechs Jahren gefördert. Durch die Förderung kann jeder Chair-Inhaber eine zusätzliche Professur in seiner Arbeitsgruppe einsetzen und damit zukunftsträchtige Forschungsprojekte im jeweiligen Themengebiet auf international konkurrenzfähigem Niveau realisieren. Dadurch wird die Nachhaltigkeit der Exzellenz am Standort Schleswig-Holstein gesichert. Die Chairs haben zum Teil auch noch ein Standbein in der Klinik. Das ist für Professor Rudi Balling, den Vorsitzenden des Externen Beirats, essentiell für Fortschritte in der Krankenversorgung. „Solche Topleute, die Patienten behandeln und gleichzeitig auch erfolgreich forschen, bilden die Brücke, um Erkenntnisse aus der Wissenschaft in die Klinik zu bringen. Diese Brücken sind strukturell das Allerwichtigste, was die moderne Medizin jetzt braucht.“ Die acht SH-Chairs stehen laut Balling: „Für Exzellenz und die Fähigkeit, Forschung in medizinische Anwendung zu katalysieren. Das sind exzellente Professoren, die an der Schnittstelle Biologie, Engineering und Medizin hervorragend und international führend sind.“

Mikroben, Mäuse und Menschen

John Baines,
Professor für Evolutionäre Genomik, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), Institut für Experimentelle Medizin, Kiel, und Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie, Plön.

„Ich forsche an der Schnittstelle zwischen evolutionärer Biologie und Medizin. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Analyse von Blutgruppen-assoziierten Genen. Diese spielen eine wichtige Rolle im Zusammenspiel zwischen Wirt und Mikrobiom. Ziel dieser Forschung ist, die Verbindung zwischen den Genen und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen aufzuklären. Denn die genetischen Informationen des Wirts beeinflussen unter anderem auch die Durchlässigkeit des Darms für krankheitsverursachende Bakterien. Langfristig sollen so Ansätze gefunden werden, um zum einen das Mikrobiom gezielt zu verändern und zum anderen die Rolle des Wirtgenoms bei Stuhltransplantationen besser zu verstehen. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Forschung ist die Beobachtung von wilden Hausmäusen in ihrer natürlichen Umgebung. Diese Tiere dienen als Modell um zu verstehen, wie Umwelteinflüsse die Zusammensetzung der Darmbakterien steuern. Außerdem wollen wir neue Wirtsgene identifizieren, die relevant für das Mikrobiom bei verschiedenen Erkrankungen sind.“

Bioinformatik für Hochdurchsatzmethoden


Andre Franke,
Professor für Molekulare Medizin, CAU, Institut für Klinische Molekularbiologie.

„Meine Arbeitsgruppe hat sich auf bioinformatische Auswertung von Daten spezialisiert, welche durch Hochdurchsatzmethoden gewonnen werden, um chronisch entzündliche Erkrankungen aufzuklären. Wir entwickeln extrem leistungsstarke IT-Infrastrukturen, um die immer größeren Datenmengen aus genetischen Analysen zu speichern und auswerten zu können. Für das dafür nötige Datenmanagement sollen Daten aus elektronischen Patientenakten für die wissenschaftliche und klinische Forschung zugänglich gemacht werden. Darüberhinaus möchten wir die elektronischen Patientendaten mit zugehörigen genetischen Daten verknüpfen.
Ein weiterer Schwerpunkt meiner Forschung betrifft die klinische Diagnostik. Genetische Tests sollen in die Klinik gebracht werden, damit personalisierte Therapiekonzepte sehr gezielt und frühzeitig eingesetzt werden können. Auf diese Weise sollen Erkrankungen sehr frühzeitig erkannt und vor allem therapiert werden, bevor eine Manifestation stattfindet.
In der Interaktion zwischen Wirt (hier der Mensch) und Bakterien untersuche ich, welche genetischen Faktoren das Darm-Mikrobiom beeinflussen. Auch der Zusammenhang zwischen Ernährung und dem Mikrobiom steht im Fokus meiner Forschung. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Unterschied im Darmmikrobiom zwischen gesunden und erkrankten Menschen.“

Bildgebung auf hohem Niveau



Robert Huber,
Professor für optische in vivo Bildgebung,
 Universität zu Lübeck (UzL), Institut für Biomedizinische Optik.

„Gemeinsam mit meiner Arbeitsgruppe entwickle ich neue optische Geräte für den biomedizinischen Einsatz. Diese können für die Grundlagenforschung bei entzündlichen Prozessen ebenso genutzt werden wie für die frühe Diagnostik in diesem Bereich. Ich möchte fundamentale, neue Wissenskonzepte den ganzen Weg von ihrer Entwicklung bis zu ihrer Anwendung begleiten. Dabei gilt mein Hauptinteresse Bildgebungssystemen, die bei strukturellen, funktionalen und molekularen Fragestellungen angewendet werden.
Mein Fokus an der Universität zu Lübeck liegt auf der optischen Kohärenztomographie, der Zwei-Photonen-Mikroskopie und der Raman-Bildgebung. In Kombination kann man mit diesen hoch empfindlichen Techniken die Konzentration verschiedener Biomoleküle mit zellulärer Auflösung darstellen. Dies soll uns völlig neue und weitergehende Einblicke in biomedizinische Prozesse erlauben, wie sie auch bei chronischen Entzündungen stattfinden. Im Rahmen meines European Research Grants „Consolidator Grant“ leite ich eine Arbeitsgruppe, mit der ich multi-funktionale Bildgebungssysteme entwickeln möchte. Durch „künstliche Intelligenz“ können diese Systeme wertvollere Bildinformation als bisherige Techniken aufnehmen.“

Entzündungskrankheit Herzinfarkt



Matthias Laudes,
Professor für Klinische Ernährungsmedizin, CAU, Klinik für Innere Medizin I, UKSH Kiel.

„Als Rheumatologe und Endokrinologe forsche ich an der Schnittstelle zwischen chronischen Entzündungen und dem Stoffwechsel (= Metabolische Entzündung).
Menschen, die an Rheuma erkrankt sind, haben aufgrund vorzeitiger Herzinfarkte und Schlaganfälle eine reduzierte Lebenserwartung. Mit meiner Arbeitsgruppe konnte ich nachweisen, dass bei Betroffenen der Gehalt eines bestimmten Fettmoleküls erhöht ist. Dieses sogenannte Lipoprotein (a) erhöht das Risiko an Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken drastisch. Allerdings können Präparate, die bestimmte Stoffwechselvorgänge blockieren (sogenannte Zytokine) den Lipoprotein (a) Gehalt verändern, was den engen Zusammenhang zwischen Stoffwechsel und Entzündung belegt. Darüber hinaus zeigen aktuelle Erkenntnisse, dass das Mikrobiom im Darm, also die Summe aller Darmbakterien, eine entscheidende Rolle in der Interaktion von Stoffwechsel und Entzündung beim Menschen einnimmt.
Zukünftig möchte ich mittels so genannter „Nutriceuticals“, also speziell bearbeiteter Nährstoffe, das Darmmikrobiom gezielt beeinflussen, um günstige Effekte auf die metabolische Entzündung bei Patienten mit Rheuma und anderen chronisch entzündlichen Erkrankungen auszulösen.“

Strategien gegen Autoantikörper



Ralf Ludwig,
Professor für Dermatologie, UzL, Lübecker Institut für
Experimentelle Dermatologie, UKSH Lübeck.

„Ich beschäftige mich mit entzündlichen Hauterkrankungen, insbesondere blasenbildenden Hauterkrankungen wie dem bullösen Pemphigoid (BP) oder der Epidermolysis bullosa acquisita (EBA). Bei diesen Autoimmunerkrankungen der Haut kommt es unter anderem aufgrund genetischer Faktoren zu einem Verlust der Toleranz gegenüber körpereigenen Proteinen. In der Folge bildet der Körper so genannte Autoantikörper, die Proteine in der Haut zerstören und zu einer Entzündung und Blasenbildung führen. Bisherige Therapieansätze sind unbefriedigend und zielen auf eine unspezifische Unterdrückung des Immunsystems. Ich möchte gemeinsam mit meiner Arbeitsgruppe die Therapie durch translationale Forschung verbessern. Wir möchten auf zwei Ebenen in den Verlauf der Erkrankungen eingreifen. Zum einen sollen die Autoantikörper medikamentös gezielt angegriffen werden, um die Entzündung im Gewebe zu hemmen. Zum anderen wollen wir verhindern, dass die Autoantikörper überhaupt entstehen.
Innerhalb der Klinischen Forschergruppe (KFO 303: Pemphigoid Diseases – Molecular Pathways and their therapeutic potential) konzentriere ich mich speziell auf die Gewebeschädigung. In ersten Studien testen wir, ob Medikamente, die ursprünglich zur Therapie anderer Autoimmunerkrankungen entwickelt wurden, auch bei blasenbildenden Hauterkrankungen therapeutisch sinnvoll eingesetzt werden können.“

DNA-Analyse für die Tuberkulosetherapie



Stefan Niemann,
Professor für Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie, UzL, Forschungszentrum Borstel – Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften (FZB).

„Meine Forschung soll dazu beitragen, dass wir (TB) Tuberkulose zukünftig besser bekämpfen können. Um diesem Ziel einen Schritt näher zu kommen ist es wichtig, mehr über die faszinierenden Eigenschaften des Erregers Mycobakterium tuberculosis und dessen Interaktion mit dem Wirt zu wissen. Ein Werkzeug hierfür sind Techniken für die Analyse des Erbguts. Denn es gibt nicht den einen TB-Erreger, sondern genetisch unterschiedliche Varianten. Die Erregerstämme unterscheiden sich zum Beispiel hinsichtlich ihrer krankmachenden Eigenschaften (Virulenz) und der Widerstandskraft gegenüber Antibiotika. Besonders problematisch ist das vermehrte Auftreten multiresistenter Stämme. Mittels DNA-Analyse können wir untersuchen, wie sich die pathogenen Erreger an ihren Wirt und an Umweltbedingungen, wie beispielsweise eine Antibiotikabehandlung, anpassen. Auf diese Weise können wir auch therapeutische Hinweise geben, welche Antibiotika zur Behandlung multiresistenter Tuberkulose bei einzelnen Patientinnen und Patienten eingesetzt werden können.
Durch meine Forschung habe ich wichtige Grundlagen geschaffen, um die historische Entwicklung, die globale Populationsstruktur, sowie Virulenz- und Resistenzmechanismen der TB-Erreger zu verstehen.“

Darmschleimhaut im Fokus



Philip Rosenstiel,
Professor für Klinische Molekularbiologie, CAU, Institut
für Klinische Molekularbiologie.

„Schwerpunkt meiner Forschung ist die Interaktion des menschlichen Darms mit der Umwelt und wie sich dieses Zusammenspiel bei Gesundheit und Krankheit verändert. Bei einer entzündlichen Erkrankung des Darms bilden der menschliche Wirt und das Darm-Mikrobiom eine funktionelle Einheit. Die Krankheitsmechanismen können wir nur verstehen, wenn wir beide Seiten dieses „Metaorganismus“ betrachten.
Bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist das Verhältnis zwischen Wirt und Mikrobiom permanent gestört. Wenn wir den Zusammenhang zwischen genetischem Risiko und funktionellen Veränderungen des Darms verstehen, können wir dieses Wissen bei klinischen Entscheidungen für präzisere Therapien umsetzen.
Ein weiterer Forschungsschwerpunkt sind die technische Entwicklung und Anwendung der genetischen Methoden für ein molekulares Verständnis des Krankheitsprozesses. Dabei untersuchen wir sowohl die Wirt- als auch die Mikrobenseite. Zukünftig wollen wir uns auf grundsätzliche Fragen der Krankheitsmanifestation konzentrieren. Wir wollen verstehen, wie eine Therapie genau wirkt und wann und wie wir eingreifen müssen, um das eigentliche Ausbrechen einer Krankheit zu verhindern.“

Mechanismen entzündeter Haut


Stephan Weidinger,
Professor für Dermatogenetik, CAU, Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie, UKSH Kiel.

„Mein klinisches Interesse gilt entzündlichen und allergischen Hauterkrankungen. Ich leite zusammen mit zwei Kollegen das Deutsche Neurodermitisregister und beschäftige mich im Rahmen der Forschung vor allem mit erblichen und umweltbedingten Einflussfaktoren auf Neurodermitis und Schuppenflechte sowie dem individualisierten Einsatz zielgerichteter Therapien.
Bisher haben wir über 100 sogenannte Schlüsselgene und zahlreiche bislang unbekannte  Mechanismen identifiziert, die entzündlicher Hauterkrankungen und deren Folgeerscheinungen begünstigen. Chronische Entzündungen der Haut entstehen durch Defekte in der Hautbarriere, einer veränderten mikrobiellen Besiedlung, und einer übersteigerten Immunantwort des Körpers gegenüber eindringenden Umweltstoffen.
Eines unserer nächsten Projekte ist die Entwicklung eines „Haut-Atlas“. Dabei handelt es sich um ein dreidimensionales, digitales Modell der Haut, welches Barrierefunktion, Immunaktivitäten und mikrobielle Besiedlung im gesunden und im erkrankten Zustand darstellt. Dabei sollen verschiedene Körperbereiche über die Zeit und unter dem Einfluss von Therapeutika, sowie Umweltreizen dargestellt werden. Dadurch erhoffen wir uns ein tiefergehendes Verständnis der Regulationsmechanismen der Hautbarriere, der Entstehung von Entzündung, sowie der Wirkung verschiedener äußerer Reize und Therapien.“

Artikelaktionen