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Konzept mit Weitblick

Cluster setzt auf Präzisionsmedizin

Mit Blick auf die Bewerbung innerhalb der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder hat der Cluster das Forschungsprofil neu justiert. Es wurden die Forschungs- und Technologiefelder definiert, die Grundlagen und klinische Expertise für Präzisionmedizin liefern sollen. Einen wesentlichen Beitrag hierfür leisten die vom Land geförderten acht Schleswig-Holstein Excellence-Chairs, die an allen vier Standorten des Clusters verortet sind. Erfreulicherweise konnte außerdem die zweite strategisch wichtige Cluster-Professur für medizinische Systembiologie besetzt werden.

Die Exzellenzinitiative zur Stärkung der universitären Spitzenforschung wird fortgesetzt und heißt jetzt Exzellenzstrategie (ExStra). Am 16. Juni 2016 haben die Regierungschefinnen und Regierungschefs von Bund und Ländern das Programm beschlossen. Zwei Förderlinien sind vorgesehen: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten. Abgabetermin für die Cluster-Antragskizzen ist der 3. April 2017. Die Konkurrenz um die Fördermillionen ist groß. Es wird erwartet, dass mehrere hundert Antragsskizzen für Exzellenzcluster eingehen, voraussichtlich knapp 100 davon werden im September 2017 eingeladen, bis 21. Februar 2018 Vollanträge zu stellen. Der schleswig-holsteinische Exzellenzcluster ist gut gerüstet und geht mit politischer Rückendeckung und millionenschwerer finanzieller Unterstützung des Landes in den Wettbewerb.
Um bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein schlüssiges und letztlich erfolgreiches Konzept vorlegen zu können, wurde zu Jahresbeginn 2016 eine Schreibgruppe gegründet, die insbesondere nach dem Cluster-Retreat intensiv am Konzept für die zukünftige Forschungsausrichtung feilte. Auch der Retreat im Sommer wurde genutzt, um gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Beirat das Profil zu schärfen.
Als tragende Säulen des Konzepts haben sich auf dem Retreat folgende Forschungs- und Technologiefelder herauskristallisiert: Mikrobiom-Plastizität, Genom-Diversität, Ernährung und Stoffwechsel, Einzelzell-Bestimmung, immunregulatorische Netzwerke, Organ-Spezifität bei Manifestationen, modellbasierte Ansätze zur individualisierten Medizin, individualisierte Modelle, individuelle menschliche Gesundheit und Interventionen, individuelle präventive Diagnostik sowie ethische Implikationen und sozialpolitische Herausforderungen.
Das Konzept sieht eine enge Verzahnung dieser Bereiche vor, um Grundlagenforschung in neue Diagnosetools und Ansätze für präventive Interventionen bzw. Frühtherapien zu überführen. Ziel ist letztlich, chronische und alterungsabhängige Erkrankungen besser zu kontrollieren, indem Therapiekonzepte individuell angepasst werden. Im Vordergrund steht die Gesunderhaltung auf der Basis der Ergebnisse systemmedizinischer Forschung.

 

 

       Hauke Busch leitet die Arbeitsgruppe Systembiologie
von Entzündungskrankheiten an der Uni Lübeck

 

 

 

 

Verstärkung für die Systemmedizin

Ein wichtiger Part im Forschungsprofil des Clusters ist die Systemmedizin. Sie bietet eine neue Dimension, die komplexen Entstehungsmechanismen von Krankheiten zu verstehen. Der Cluster finanziert für diesen Bereich zwei Professuren. An der Kieler Universität leitet Professor Christoph Kaleta die Arbeitsgruppe Medizinische Systembiologie, die äquivalente Professor an der Universittät Lübeck ist seit 1. Oktober 2016 besetzt. Professor Hauke Busch hat den Ruf angenommen und leitet die Arbeitsgruppe „Systembiologie von Entzündungskrankheiten“. Der Physiker Busch war zuvor Gruppenleiter (zusammen mit Melanie Börries) beim Deutschen Konsortium für Transnationale Krebsforschung in Freiburg und arbeitete am Freiburg Institute of Advanced Studies und dem Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung der Uni Freiburg.
Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Entwicklung und Verifizierung von mathematischen Modellen für zelluläre Prozesse. Mit systembiologischen Ansätzen kombinierte er experimentelle Forschungen zur Zell-Zell-Kommunikation mit dynamischen Multiskalen-Modellen, um die „Kontrollpunkte“ zu untersuchen, die zu Zellproliferation, Zelldifferenzierung, Zellmigration oder Zelltod führen. Im Bereich der personalisierten Medizin nutzte die Arbeitsgruppe Gewebeproben von Tumorpatienten, um letztlich die molekularen Ursachen für maligne Erkrankung besser zu verstehen. Bestimmte Signalwege, zum Beispiel bei Darmkrebs, werden mit den Modellen simuliert. Damit lassen sich komplexe Zusammenhänge sichtbar machen und fehlerhafte Bausteine hinsichtlich ihrer Relevanz für die Tumorentstehung am Computer testen.
Die Weichen für seine Forschungstätigkeit im Bereich Bioinformatik/Systembiologie stellte Hauke Busch während seiner Postdoczeit in der Arbeitsgruppe Theoretische Bioinformatik (Leitung: Prof. Dr. Roland Eils) von 2004 bis 2009 am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. An der Universität zu Lübeck leitet er eine von fünf Arbeitsgruppen am Lübecker Institut für Experimentelle Dermatologie (LIED). Thematischer Schwerpunkt von LIED sind Autoimmunerkrankungen der Haut.

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