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Förderung für Kieler Biochemie-Sonderforschungsbereich

28.05.2018

DFG finanziert erfolgreiche biochemische Grundlagenforschung an der Universität Kiel bis 2022 weiter

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) erkennt die erfolgreiche Arbeit der Kieler Biochemikerinnen und Biochemiker und ihrer Kolleginnen und Kollegen in der medizinischen Grundlagenforschung an und fördert den Sonderforschungsbereich (SFB) 877 „Proteolyse als regulatorisches Ereignis in der Pathophysiologie“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) für weitere vier Jahre. Das 2010 gegründete Kieler Forschungskonsortium geht damit in die dritte Förderperiode und kann bis 2022 die Erforschung der Rolle von Proteinmodifikationen in der Entstehung von Krankheiten weiter vorantreiben. Die DFG stellt den Forscherinnen und Forschern dazu rund zehn Millionen Euro zur Verfügung. Im Mittelpunkt der erfolgreich eingeworbenen abschließenden Förderperiode wird eine mögliche Überführung der in den letzten Jahren gesammelten Forschungsergebnisse in die klinische Anwendung stehen.

„Ich möchte allen am Sonderforschungsbereich Beteiligten herzlich zu diesem erneuten Erfolg gratulieren. Die weitere Unterstützung der DFG zeigt, welchen besonderen Stellenwert die biochemische und biomedizinische Grundlagenforschung in Schleswig-Holstein im bundesweiten Wettstreit der Wissenschaftsstandorte besitzt. Besonders freue ich mich, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre erfolgreiche Arbeit weiterverfolgen und ihre wegweisenden Ergebnisse zum Wohle der Patientinnen und Patientinnen zur Anwendung führen können“, bewertet CAU-Vizepräsidentin für Forschung, Professorin Karin Schwarz, die Zusage der wichtigsten deutschen Forschungsförderungs-Institution.

Professor Stefan Rose-John, Direktor des Biochemischen Instituts an der CAU und Vorstandsmitglied im Exzellenzcluster Entzündungsforschung, hat den SFB 877 vor acht Jahren auf den Weg gebracht. Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zehn überwiegend norddeutschen Institutionen in insgesamt 16 interdisziplinären Forschungsprojekten. Die Forschenden aus den Instituten für Biochemie, Anatomie, Immunologie, Experimentelle Medizin und Dermatologie an der CAU arbeiten mit Kolleginnen und Kollegin der Universitätskliniken in Hamburg und Mainz zusammen, um die Mechanismen und Auswirkungen der Proteinveränderung zu erforschen. Wichtiger Bestandteil des Sonderforschungsbereichs war von Beginn an auch eine Graduiertenschule, die talentierte Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Human- und Zahnmedizin mit Forschungsstipendien fördert.

Proteine übernehmen als grundlegende zelluläre Bausteine viele strukturelle und regulatorische Funktionen im tierischen, pflanzlichen und menschlichen Organismus. Die Veränderung dieser Bausteine ist ein wesentliches Steuerungselement der physiologischen Prozesse im Körper. Proteine agieren nicht nur als Biokatalysatoren, Bewegungsmotoren und zelluläre Gerüstmaterialien, sondern sie fungieren auch als Signale innerhalb einer Zelle oder zwischen verschiedenen Zellen. Auf diesem Weg sind sie ganz allgemein an der Entwicklung jedes Organismus beteiligt und steuern konkret spezifische Abläufe wie beispielsweise das Immun- und Nervensystem, die Blutgerinnung oder das gesteuerte Absterben von Körperzellen, den sogenannten Zelltod. Die Modifikation von Proteinen ist aber auch an der Entstehung von krankhaften Prozessen beteiligt: Sie spielt zum Beispiel eine wichtige Rolle bei der Entstehung von chronischen Entzündungen, Krebs oder degenerativen Nervenerkrankungen.

Um diese Prozesse besser zu verstehen, beschäftigen sich die Forschenden des SFB 877 schwerpunktmäßig mit einer spezifischen Form der Proteinveränderung, der sogenannten Proteolyse oder Proteinspaltung, die für verschiedene Signalketten im Zellinneren und zwischen Zellen verantwortlich ist und die zahlreiche physiologische Prozesse auslöst. Etwa drei Prozent der menschlichen Gene, also etwa 600, kodieren für Proteasen, die andere Proteine spalten können. Anders als die meisten anderen Proteinveränderungen sind proteolytische Spaltungen nicht umkehrbar und sind damit Bestandteil von besonders lange wirkenden Signalprozessen. Diesen bislang wenig erforschten Aspekt haben die Forschenden des Kieler SFB in den vergangenen Jahren intensiv studiert.

„Wir konnten zeigen, dass Störungen der Proteinspaltungsprozesse einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung vieler Krankheiten ausüben“, betont SFB-Sprecher Professor Stefan Rose-John. „Unsere bisherigen Erkenntnisse erlauben es damit nicht nur, die proteolytischen Prozesse zu beschreiben, die Krankheiten auslösen. Sie eröffnen auch neuartige Ansätze für künftige Therapien“, so Rose-John weiter.

In der bevorstehenden dritten Förderperiode wollen die Forschenden des SFB 877 dieses Potenzial für therapeutische Zwecke nun konkretisieren: Manche der entwickelten Konzepte sind schon bereit für klinische Studien. Insbesondere ein innerhalb des Exzellenzclusters entwickeltes sogenanntes Designer-Protein befindet sich zum Beispiel bereits in der fortgeschrittenen klinischen Erprobung. Es sei in der Lage, den Ablauf von Entzündungsprozessen zu blockieren, skizziert Rose-John den Stand der Forschungsarbeiten.

 


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Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Rose-John
Sprecher SFB 877, Biochemisches Institut, CAU
Tel.: 0431-880 3336
E-Mail: rosejohn@biochem.uni-kiel.de


Weitere Informationen:
Sonderforschungsbereich 877
„Proteolyse als regulatorisches Ereignis in der Pathophysiologie“, CAU
www.uni-kiel.de/Biochemie/sfb877

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Text / Redaktion: Christian Urban

 

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