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Entzündung geht alle an

Brücke zur Bevölkerung über die Kunst

Wo überall im Körper Entzündungen auftreten und was sie anrichten können, ist wenig bekannt. Um die Öffentlichkeit für das Phänomen Entzündung zu sensibilisieren, hat sich der Exzellenzcluster Entzündungsforschung unter anderem Verbündete aus dem Bereich Kunst und Design gesucht. Besonderes Augenmerk gilt auch der Zielgruppe Kinder und Jugendliche.

Kreative Zusammenarbeit

Mit Rauminstallationen, Filmen, Grafiken, Comics und Plakaten visualisierten angehende Künstler und Designer der Muthesius Kunsthochschule Kiel das Zivilisationsphänomen der chronischen Entzündung des Menschen. In der Ausstellung „Entzündet: Kunst – Kommunikation – Medizin“ präsentierten sie ihre Werke vom 21. bis 30. April 2010 in der Landesvertretung Schleswig-Holstein in Berlin. Die ausgestellten zwei Dutzend Exponate sind das Resultat einer „einmaligen, innovativen Kooperation zwischen Wissenschaft und Kunst“, betonte der Kunsthochschulpräsident Professor Rainer W. Ernst bei der Ausstellungseröffnung. Ein Jahr lang haben sich die Muthesiusschülerinnen und -schüler mit dem Thema Entzündungskrankheiten auseinandergesetzt und es künstlerisch in Szene gesetzt. Um sich der Thematik zu nähern, besuchten sie Vorträge über die Erkrankungen und wohnten Untersuchungen am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel bei, zum Beispiel einer Endoskopie bei einem Morbus Crohn-Erkrankten. „Die bildliche Darstellung eignet sich hervorragend dazu, viele Menschen für das Leben der Erkrankten und für die Krankheiten zu interessieren“, erklärt Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters und Dekan der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „Wir möchten dazu beitragen, dass diese Krankheiten bekannter und so auch früher erkannt werden.“ Die Studierenden schufen mit viel Kreativität eine Fülle von Kunstwerken. Sie nutzten die gesamte Bandbreite der künstlerischen und kommunikativen Möglichkeiten, um die Themen umzusetzen. Dabei gelang es ihnen die komplexen Krankheiten eindrücklich darzustellen. So genügt zum Beispiel ein Blick auf Paris Küchlers dramatisches Plakatmotiv, um sich vorzustellen, wie sich Asthma anfühlt. Der vom Verzicht geprägte Alltag Morbus Crohn kranker Jugendlicher steht im Fokus der Poster-Kampagne von Anna-Franziska Wolf. Und Paul Mazurs Plakat zeigt, wie verletzend schräge Blicke oder direktes Anstarren für Psoriasiskranke sind.

Ausstellung Berlin

Mit Skulpturen, Fotografien, Filmen, Grafiken und Plakaten werfen Studierende der Muthesius Kunsthochschule Kiel einen neuen Blick auf das Zivilisationsphänomen chronische Entzündung. Vom 21. bis 30. April 2010 präsentierten sie ihre Werke in der Landesvertretung Schleswig Holstein in Berlin.

 

Ergänzend zur Ausstellung organisierte der ExzeIlenzcluster eine Vortragsreihe für Interessierte, Entzündungspatienten und Angehörige. In sieben, allgemeinverständlichen „After Work Lectures“ informierten die Fachleute aus Kiel, Lübeck und Borstel über den aktuellen Forschungsstand zu Grippeviren, Hautallergien, neuen und alten Seuchen, chronischen Darmentzündungen, Rheuma, ernsten Bakterieninfektionen und Schuppenflechte.

Entzündungsforschung im Schülerlabor

Mit Unterstützung des Exzellenzclusters Entzündungsforschung hat das Schülerlabor LOLA (Lübecker offenes Labor an der Universität zu Lübeck, www.lola. uni-luebeck.de) im Frühjahr 2010 erstmals Schülerkurse zum Thema „Entzündung“ durchgeführt. Obwohl jeder Jugendliche Entzündungen aus eigener Erfahrung kennt, ist dieses Thema in den Lehrplänen nicht präsent. Die ersten beiden Schülergruppen die diesen Kurs im Juni 2010 besucht haben, waren Zehntklässler der Gemeinschaftsschule in Bad Schwartau. Die Zusammenarbeit wird auch in 2011 fortgesetzt.

Außerdem unterstützte der Cluster die Arbeitsgemeinschaft zum Thema „Entzündung: Wenn der Körper das Kriegsbeil ausgräbt“ in den Herbstferien. Diese Kurse geben besonders interessierten und begabten Schülerinnen und Schülern der Oberstufe einen vertiefenden Einblick in die Welt der Forschung und Wissenschaft. Vom 11. bis 15. Oktober 2010 konnten interessierte Jugendliche vier bis sechs Stunden pro Tag im Lübecker offenen Labor die Symptome und Mechanismen entzündlicher Reaktionen kennen lernen. In Laborexperimenten wurden Entzündungsmarker bestimmt, an Hand von Modellorganismen Eigenschaften von Leukozyten untersucht, Blutbilder analysiert und unter dem Mikroskop entzündliche Veränderungen der Haut betrachtet.

Kinderuni zu Hautkrankheiten

Die Clusterexpertin für Neurodermitis und Hautallergien, Professorin Regina Fölster-Holst, hat am 22. September 2010 die Kinder- und Schüleruni an der CAU eröffnet. In ihrem Vortrag für acht- bis zwölfjährige Kinder informierte sie über Tattoos, Piercings & Co. Bilder aus Blumen oder Drachen und Schmuck in Nasen, Ohren oder Zunge mögen hübsch aussehen, können aber die Ursache von Allergien sein. Die Hautärztin erläuterte verständlich und altersgerecht was mit unserer Haut bei Tattoos und Piercings passiert und was Neurodermitis ist. „Es ist wichtig, Schülerinnen und Schülern zu erklären, wie Hauterkrankungen entstehen und wie man sie vermeiden kann“ so Fölster-Holst, die an der Kieler Hautklinik der Universität arbeitet, lehrt und forscht.

Kinder Uni

Professorin Regina Fölster-Holst (oben links) spricht in der Kinder- und Schüleruni über Tatoos und Piercing und mögliche Folgen für die Haut. Im Lübecker offenen Labor (LOLA) untersuchten Zehntklässler in Laborexperimenten Besonderheiten von Entzündungsvorgängen im Körper.

Arzt-Patienten-Seminar in der Kieler Augenklinik

Im Dezember 2010 konnten sich Patienten mit Entzündungen im Auge bei einem Seminar zum Thema Uveitis umfassend über die Erkrankung informieren. Mit dem Begriff Uveitis werden alle inneren Entzündungen des Auges bezeichnet. „Die Erkrankung ist meistens schwer zu diagnostizieren und zu behandeln, da sie oftmals durch immunologische Fehlreaktionen hervorgerufen wird“, erklärt Professor Johann Roider, Direktor der Kieler Augenklinik. So können zum Beispiel Erkrankungen wie Rheuma oder chronisch entzündliche Darmerkrankungen eine Uveitis als Begleiterscheinung zur Folge haben. Das Seminar für Augenärzte und Betroffene wurde von Augenklinik des Universitätsklinikums Schleswig- Holstein (UK S-H), Campus Kiel, und der Deutschen Uveitis Arbeitsgemeinschaft veranstaltet.

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