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Erneut exzellent

Übergang in die zweite Phase

Das Jahr 2012 war geprägt vom Übergang der ersten Phase der Exzellenzinitiative in die zweite Förderperiode. Nachdem die neu strukturierte wissenschaftliche Ausrichtung des Clusters im Antrag verankert und vor einem Gremium erfolgreich verteidigt wurde, bekam der Cluster Mitte des Jahres die Zusage für die Förderung bis 2017. Bis Jahresende arbeiteten die Mitglieder daran, die neuen Strukturen in Projektanträgen für eine interne Förderung umzusetzen.

Das Jahr begann mit der 7. Mitgliederversammlung, dieses Mal im Wissenschaftszentrum Kiel. Die Delegation, die im Februar zur Begutachtung des Antrags für die zweite Förderperiode nach Bonn fahren sollte, nutzte diese Gelegenheit, um den Mitgliedern den Vortrag für die Begutachtung vorzustellen. Aus dem Auditorium kamen kritische Rückmeldungen und viele hilfreiche Anmerkungen, um die Präsentation noch weiter zu schärfen. Auch der Vorsitzende des Supervisory Boards, Professor Clemens Sorg, war bei der Mitgliederversammlung anwesend und unterstützte die Delegation mit konstruktiver Kritik zum Vortrag und mit fachlichem Rat. Er äußerte sich sehr positiv zu den Entwicklungen des Clusters in den letzten Jahren.

Neue Strukturen in Phase II

Für die wissenschaftliche Ausrichtung in der kommenden zweiten Förderperiode hat der Exzellenzcluster seine Strukturen neu geordnet. Sie baut auf zwei kooperierenden Strukturen auf: sechs Research Areas und sieben Cluster-Laboren. Die Research Areas sind thematisch definierte, wissenschaftliche Rahmenprogramme, die sich inhaltlich mit den fundamentalen Forschungsschwerpunkten des Clusters auseinandersetzen. Diese beinhalten die Forschungsfelder Genetik und Epigenetik, Membranbiologie, zelluläre Immunregulation und Umwelt-Grenzflächen-Interaktion sowie die personalisierte Patientenversorgung.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen genetische Signaturen chronischer Entzündunskrankheiten identifizieren. Dafür suchen sie zum Beispiel nach epigenetischen und somatischen Veränderungen in Geweben oder Zellpopulationen. Auch die zellulären und molekularen Mechanismen und Signalwege, die die Pathogenese entzündlicher Erkrankungen an Barriereorganen regulieren, sind Gegenstand ihrer Forschung. Ein weiterer wichtiger thematischer Schwerpunkt liegt auf dem Zusammenspiel von Umwelt, Mensch und Mikrobiom. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen, welchen Einfluss Umweltfaktoren und Bakteriengemeinschaften auf das Wirtsgenom haben. Die gewonnenen Erkenntnisse aus allen thematischen Bereichen übertragen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann in die Klinik. Ihr Ziel ist es, Entzündungskrankheiten in einem frühen, klinisch noch unauffälligen Stadium zu identifizieren. Durch gezielte, individualisierte Therapien wollen sie chronische Entzündungen verhindern, bevor der Krankheitsverlauf nicht mehr aufzuhalten ist.

Die Cluster-Labore arbeiten eng mit den Research Areas zusammen und liefern Technologien,
Wissen und Lehre auf hohem Niveau. Sie decken strategisch zentrale, Technologie-intensive Forschungsfelder des Clusters ab und verknüpfen Expertisen aus folgenden Forschungsrichtungen: Immunophänotypisierung, Hochdurchsatz-Genotypisierung und Sequenziertechnologien der neuesten Generation, Theoretische Biologie, Epidemiologie, Mausmodelle und interdisziplinäre Phänotypisierung von Patientinnen und Patienten sowie das Design von Klinischen Studien im Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin. Die Cluster-Labore stellen Technologien wie hochentwickelte Image-Techniken zur Verfügung, mit denen die Forschenden im Exzellenzcluster Patientinnen und Patienten sowie Kontrollen detailliert charakterisieren. Mittels Next-Generation Sequencing können sie umfassende Studien über komplexe mikrobielle und virale Gemeinschaften und deren Einfluss auf die genetische Funktion auf Einzelzellniveau untersuchen. Sie suchen dabei nach Schlüsselmolekülen, die chronische Entzündungen auslösen und begünstigen. Mit Hilfe bestimmter Methoden wie Nuclear Magnetic Resonance (NMR), Fluoreszenzkorrelationsspektroskopie oder Kristallstrukturanalyse analysieren sie Zellstrukturen und erforschen, wie Moleküle miteinander interagieren und Immunantworten regulieren. Im Bereich der Theoretischen Biologie bringen Mitglieder die Daten aller Bereiche mit weiteren Erkenntnissen aus anderen Analysen wie Bevölkerungsumfragen zusammen. Diese, in der Grundlagenforschung gewonnenen Daten testen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in geeigneten Modellsystemen und übertragen die gewonnenen Erkenntnisse anschließend in die klinische Anwendung. Dabei ist das Comprehensive Center for Inflammation Medicine (CCIM), das Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin am UKSH, mit Ambulanzen in Kiel und Lübeck des UKSH, ein wichtiger Partner. Es wurde in der ersten Förderperiode der Exzellenzinitiative gegründet und bietet eine innovative Infrastruktur für interdisziplinäre Therapien und klinische Forschung.

Bei ihren Untersuchungen greifen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch auf die Biodatenbank popgen zurück, in der über 100.000 Proben wie Blut, DNA oder Gewebe lagern. Mit dieser interdisziplinären und standortübergreifenden Zusammenarbeit verfolgen die Mitglieder im Exzellenzcluster ein gemeinsames Ziel: Chronische Entzündungserkrankungen der Barriereorgane, zum Beispiel Darmentzündungen, Entzündungen der Haut oder der Gelenke sollen in einem frühen Stadium erkannt werden, bevor der Krankheitsverlauf nicht mehr umzukehren ist. Durch geeignete Diagnoseverfahren wie Tests für genetische Marker sollen diese Erkrankungen frühzeitig erkannt werden können, so dass sie gar nicht erst entstehen.

Positiv begutachtet und bewilligt

Im Februar fuhr eine 20-köpfige Delegation des Exzellenzclusters mit Vertreterinnen und Vertretern von allen Clusterstandorten sowie den Präsidenten der beiden Universitäten zu Kiel und zu Lübeck, Professor Gerhard Fouquet und Professor Peter Dominiak nach Bonn. Unterstützt wurden sie von dem damaligen Ministerpräsidenten Peter-Harry Carstensen. Die Delegation stellte den Antrag für die Phase II in einem einstündigen Vortrag einem internationalen Gutachtergremium vor. In einer anschließenden Diskussionsrunde musste sie sich den kritischen Fragen der Gutachterinnen und Gutachtern stellen.

Im Juni gab die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) schließlich ihre Entscheidung bekannt. Und die Freude war grenzenlos: Der Bewilligungsausschuss der Exzellenzinitiative hat eine weitere Förderung für den Exzellenzcluster beschlossen. Die Prüfungsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass die bisherige Förderung optimal eingesetzt wurde und zu beeindruckenden Arbeiten der internationalen Spitzenklasse geführt habe. Die hohe Produktivität aller Beteiligten im Cluster sowie die gleichermaßen hohe Qualität würden den Forschungsverbund auszeichnen. Die interaktive Zusammenarbeit im Verbund funktioniere ausgezeichnet. Besonders seinem wissenschaftlichen Nachwuchs biete der Exzellenzcluster ein gelungenes Umfeld sowie überzeugende Angebote zur Weiter- und Fortbildung. Als gemeinsam von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Universität zu Lübeck etabliertes Forschungsvorhaben nehme der Exzellenzcluster außerdem eine wichtige Rolle in der Strukturbildung in Schleswig-Holstein ein. Durch strukturelle Maßnahmen wie der Gründung zweier von den Universitäten gemeinsam getragener Institute, dem „Institut für Theoretische Biologie“ und dem „Institut für Systemische Rheumatologie“ sei weiter Vorschub geleistet worden, so heißt es im Gutachten der DFG.

 Erste interne Projektausschreibung

Der Antrag für die zweite Förderperiode sieht vor, dass ein großer Anteil der finanziellen Mittel über clusterinterne wettbewerbliche Vergabe erfolgen soll. Alle Vollmitglieder konnten bis Mitte Januar 2013 eigene Projektanträge einreichen. Nach einer Vorauswahl durch das Steering Committee werden diese von einem externen, internationalen Gutachtergremium bewertet.

Interne Projekte mussten folgende Kriterien erfüllen: Sie sollten Hauptthemen des Clusters der
zweiten Förderperiode behandeln und dabei die neuesten wissenschaftlichen Fragestellungen und Methoden einbeziehen. Die Zielsetzungen mussten klar formuliert und nachzuweisen sein. Außerdem sollte jedes Projekt einen multidisziplinären und interstrukturellen Ansatz verfolgen und mindestens in einem Cluster-Labor und einer weiteren Research Area angesiedelt sein.

Dieses Verfahren zur Vergabe der Fördermittel, das im Antrag für die Phase II festgehalten ist, fand auch bei der DFG besonderen Anklang. Sie hielten diese Finanzierung für wohldurchdacht und begründet. Als hervorragendes Instrument zur Förderung innovativer Ideen und exzellenter Wissenschaft sei es als bereits gut etabliert im Verbund wahrgenommen worden.

 Umzug in das ZMB

Der Neubau des Zentrums für Molekulare Biowissenschaften (ZMB) in Kiel wurde 2012 fertiggestellt. Auch einige Arbeitsgruppen des Exzellenzclusters am Institut für Klinische Molekularbiologie konnten in ihre neuen Labore und Büros in das Gebäude, Amöbe genannt, am Botanischen Garten umziehen. Das ZMB bietet ihnen die modernste Ausstattung und ideale Arbeitsbedingungen, um ihre Forschung weiterhin auf hohem Niveau zu betreiben. Hochdurchsatz-Technologien, wie Next-Generation-Sequencing, sind dort mit automatisiert gelagerten Bioproben in der Biobank popgen unter einem Dach vereint.

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