Sie sind hier: Startseite / Newsroom / Jahresberichte / 2017 / Sichtbare Leistungen

Sichtbare Leistungen

Preise, Projekte und Publikationen

Die Exzellenz des Clusters zeigt sich insbesondere auch bei den jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Sie werben erfolgreich Fördermittel für zukunftsträchtige Forschungsvorhaben ein, erhalten Preise und liefern hochrangige Publikationen ab.

Neues EU-Verbundprojekt unter Cluster-Koordinierung

Mit knapp 15 Millionen Euro unterstützt die Europäische Kommission das neue Forschungsprojekt von Professor Philip Rosenstiel, Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie an der ChristianAlbrechts-Universität zu Kiel (CAU). Für eine Laufzeit von fünf Jahren verteilen sich die Fördermittel auf 15 Projektpartner, knapp drei Millionen Euro gehen nach Kiel. Das internationale Projektkonsortium von SYSCID („A Systems medicine approach to chronic inflammatory disease“ - Systemmedizin für chronisch entzündliche Erkrankungen) beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit drei Erkrankungen: chronisch entzündliche Darmerkrankungen, systemischer Lupus erythematodes und rheumatoide Arthritis. Die Krankheiten sind derzeit nicht heilbar und nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen kann die Krankheit mit einem Medikament langfristig unterdrückt werden. Welcher Mensch auf welche Behandlung anspricht, kann mit den bisherigen Untersuchungsmethoden nicht vorhergesagt werden. „Wir wollen in SYSCID molekulare Signaturen in Gewebe, Blut und Zellen finden, die schwere Krankheitsverläufe vorhersagen, so dass man die Therapie entsprechend frühzeitig auswählen und anpassen kann“, sagt Projektkoordinator Rosenstiel. Das Projekt SYSCID baut auf den Arbeiten innerhalb des Deutschen Epigenom Programms (DEEP) auf.

EU-Projekt BioNUGUT

Die Europäische Union (EU) fördert mit mehr als einer Million Euro ein Projekt unter Leitung von Cluster-Vorstandsmitglied Professor Matthias Laudes, Leiter der Klinischen Ernährungs- und Stoffwechselmedizin an der Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) Kiel. Ziel ist, Biomarker zu identifizieren, die den Status „gesund“ messbar machen. Bisher gibt es solche Marker nur für Erkrankungen, nicht aber für Gesundheit. Diese Lücke will das internationale Forscherbündnis „BioNUGUT: Gut Metabotypes as Biomarkers for Nutrition and Health“ schließen.

Matthias Laudes: „In den vergangenen zehn Jahren haben wir gelernt, dass Gesundheit ein Zustand ist, in dem alle unsere Körperzellen mit allen Bakterien, die in uns und auf uns leben im Einklang stehen.“ Wenn diese Symbiose gestört sei, könnten sich Krankheiten wie Diabetes und Darmentzündungen entwickeln. Deshalb suchen die Forschenden Faktoren, die das gesunde Zusammenleben des Menschen mit seinen Darmbakterien anzeigen. Sie sollen zukünftig als Indikatoren einer gesunden Lebensweise in Präventionsprogrammen genutzt werden können.

Zweite Förderperiode für Lübecker Graduiertenkolleg

Das Internationale Graduiertenkolleg 1911 (International Research Training Group, IRTG) „Immunregulation der Entzündung bei Allergien und Infektionen“ wird weitergeführt. Dies hat der Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beschlossen. Mit einer Fördersumme von insgesamt 6,2 Millionen Euro kann das IRTG 1911 seine Arbeit in dem zweiten Förderzeitraum bis 2022 fortsetzen. „Ich freue mich sehr, dass durch die erneute Förderzusage die im IRTG 1911 geleistete Arbeit und die hochqualitativen Forschungsergebnisse seitens der DFG anerkannt und honoriert worden sind“, sagte der Sprecher des Kollegs und Cluster-Vorstandsmitglied Professor Jörg Köhl. Köhl ist Direktor des Instituts für Systemische Entzündungsforschung an der Universität zu Lübeck und Sprecher des Zentrums für Infektiologie- und Entzündungsforschung Lübeck. „Wir freuen uns sehr, den Doktorandinnen und Doktoranden weiterhin ein strukturiertes internationales Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramm zusammen mit unseren US-amerikanischen Kollegen anbieten zu können.“

Diabetes-Forschungspreis

Cluster-Vorstandsmitglied Professor Matthias Laudes wurde mit dem Ferdinand-Bertram-Preis 2017 ausgezeichnet. Den mit 20.000 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) erhielt der Leiter der Klinischen Ernährungsund Stoffwechselmedizin am UKSH Kiel für seine Leistungen über den Zusammenhang von Stoffwechsel und Entzündung. Die Auszeichnung wurde ihm beim Diabetes Kongress 2017 in Hamburg überreicht. „Chronische Entzündungsvorgänge spielen eine wesentliche Rolle in der Entwicklung von modernen Zivilisationskrankheiten wie Typ 2 Diabetes und Atherosklerose“, sagt Laudes. Im Exzellenzcluster Entzündungsforschung entwickelt er deshalb neue innovative Strategien, um mit anti-entzündlichen Maßnahmen Stoffwechselerkrankungen vorzubeugen. Der FerdinandBertram-Preis ist der älteste und renommierteste Wissenschaftspreis der Deutschen Diabetes Gesellschaft. In der 54-jährigen Geschichte des Preises wird mit Laudes zum ersten Mal ein klinischer Diabetologe der CAU und des Kieler UKSH gewürdigt.

Stipendium für klinische Forschung

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) hat Cluster-Mitglied Dr. Konrad Aden ein Stipendium des Clinician Scientist Programms verliehen. Aden ist Internist an der Klinik für Innere Medizin I am UKSH Campus Kiel und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Klinische Molekularbiologie der CAU. Das mit 100.000 Euro dotierte Wissenschaftsstipendium ermöglicht ihm, seine klinische Tätigkeit für insgesamt zwei Jahre auf die Hälfte zu reduzieren, um sich seinem Forschungsvorhaben im Bereich der chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu widmen. In einem zweistufigen Verfahren konnte sich der junge Internist gegen rund 20 bundesweite Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchsetzen. Er erhält eines von insgesamt drei Stipendien der DGIM.

Thannhauser-Preis 2017

Professor Andre Franke, Vorstandsmitglied im Exzellenzcluster Entzündungsforschung und Direktor des Instituts für Klinische Molekularbiologie an der CAU, hat den Thannhauser-Preis 2017 erhalten. Der von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten vergebene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Franke wurde mit dem Preis für seine Forschung zum Einfluss des menschlichen Genoms auf die bakterielle Zusammensetzung im Darm ausgezeichnet. Der Thannhauser-Preis wird alle zwei Jahre für eine hervorragende und wegweisende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten verliehen. Den Preis stiftet die Falk Foundation e.V., Freiburg, zur Erinnerung an den bedeutenden deutsch-amerikanischen Internisten Siegfried Thannhauser (1885-1962).

Max-Planck-Fellow

Die Max-Planck-Gesellschaft hat Cluster-Vorstandsmitglied Hinrich Schulenburg, Professor für Evolutionsökologie und Genetik an der CAU, zum Max-Planck-Fellow am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön (MPI-EB) berufen. Sie würdigt damit Schulenburgs Forschung sowie seine intensiven Bestrebungen, mit denen er die Evolutionsforschung in Schleswig-Holstein und damit die Kooperation zwischen Universität und MPI-EB vorangetrieben hat. Mit dem Max-Planck-Fellowship ist die Einrichtung einer kleinen Arbeitsgruppe am Plöner Institut verbunden, die jährlich ein bis zwei Nachwuchsforschenden Platz bieten wird. Das neu entstehende Forschungsteam unter Schulenburgs Leitung wird untersuchen, wie sich Lebewesen an unvorhersehbare Umweltbedingungen anpassen.

Europäischer Erfinderpreis

Der Physiker Professor Robert Huber erhält zusammen mit zwei amerikanischen Kollegen den renommierten Europäischen Erfinderpreis 2017. Bei einem Festakt in Venedig ehrte das Europäische Patentamt den ClusterWissenschaftler vom Institut für Biomedizinische Optik der Universität zu Lübeck (UzL) mit seinen Kollegen Professor James G. Fujimoto und Dr. Eric A. Swanson aus den USA. Die Auszeichnung erhalten sie für die Entwicklung der Optischen Kohärenztomografie (OCT). Das innovative Bildgebungsverfahren verbessert die Diagnose und das Verständnis von verschiedenen Erkrankungen. „Dank dieses Teams können Ärzte jetzt Echtzeitbilder von menschlichem Gewebe zur Früherkennung von Krebs, Glaukom und anderen Beschwerden nutzen“, erklärt Benoît Battistelli, Präsident des Europäischen Patentamtes. Das schonende Verfahren basiert auf Lichttechnologie, kommt ohne Strahlen oder den Einsatz von Kontrastmitteln aus und wird mittlerweile jährlich ungefähr 30 Millionen Mal durchgeführt.

Ausgezeichnete medizinische Bildgebung

Andreas B. Schmidt, Doktorand in der Arbeitsgruppe von Cluster-Mitglied Professor Jan-Bernd Hövener, hat im Rahmen des Studentenwettbewerbs der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) den geteilten zweiten Platz errungen. Mit seinem Beitrag „Hyperpolarization without a polarizer - first 13C-MRI in vivo“ setzte er sich gegen 62 weitere Bewerber durch. Schmidt war maßgeblich an der Entwicklung einer neuen Methode für die Herstellung hyperpolarisierter MRT-Kontrastmittel beteiligt. Die erste in vivo Anwendung der Methode, welche verglichen mit bisher gängigen Verfahren eine drastische Vereinfachung bedeutet, war Inhalt des vorgestellten Beitrages.

Otto-Hahn-Medaille

Dr. Philipp Rausch, assoziiertes Cluster-Mitglied und Postdoc in der Forschungsgruppe „Evolutionäre Genomik“ am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön erhielt die von der Max-Planck-Gesellschaft verliehene Otto-Hahn-Medaille. Der Preis würdigt junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, die zumeist in einer Doktorarbeit erbracht wurden. Rausch wurde für seine Arbeiten über den Einfluss blutgruppenähnlicher Antigene und Entzündungskrankheiten auf mikrobielle Darmgemeinschaften geehrt. Die Auszeichnung nahm er im Juni auf der Hauptversammlung der MaxPlanck-Gesellschaft in Weimar entgegen.

Forschungsneubau in Lübeck: Zentrum zur Erforschung von Entzündungen der Haut

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz des Bundes und der Länder hat im Juni 2017 die Finanzierung eines Forschungsneubaus an der Universität zu Lübeck über 25,4 Millionen Euro bestätigt. Damit kann an der Universität, wie im April vom Wissenschaftsrat empfohlen, das geplante Zentrum zur Erforschung von Entzündungen der Haut (Center for Research on Inflammation of the Skin, CRIS) eingerichtet werden. Wissenschaftliche Zielstellung des Forschungsbaus ist die Aufklärung der molekularen Mechanismen der Entstehung von Entzündungen der Haut und die Entwicklung innovativer und kurativer Konzepte für ihre Behandlung. Das Gebäude wird in zentraler Lage in unmittelbarer Nähe zu anderen neuen Forschungsgebäuden und Service-Einheiten der Universität entstehen und integriert im Erdgeschoss auch eine Forschungsambulanz für Patientinnen und Patienten. „Mehr als 140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus zwei Kliniken und sechs Instituten können dann auf 2.500 Quadratmetern interdisziplinär und unter Verwendung modernster Technologien zur Entzündung an der Haut forschen“, sagt der designierte CRIS-Leiter und Cluster-Vorstandsmitglied Professor Detlef Zillikens.

PUBLIKATIONEN

Nature Genetics: Neue Einblicke in die Ursachen der chronischen Gallengangsentzündung

In einer internationalen Kooperation haben Wissenschaftler des Exzellenzclusters Entzündungsforschung Varianten in vier genetischen Abschnitten identifiziert, die das Risiko für primär sklerosierende Cholangitis (PSC) stark erhöhen. Daraus ergeben sich neuartige Einblicke in die Ursachen der chronisch fortschreitenden Entzündungskrankheit, bei der die Gallengänge innerhalb und außerhalb der Leber verengen. Betroffene haben häufig auch eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, vor allem Colitis ulcerosa. Bereits in früheren Studien unter Beteiligung des Exzellenzclusters wurden 16 genetische Risikoregionen für PSC identifiziert. „Wir haben vier neue Loci gefunden und für eine dieser vier Regionen haben wir schon eine Idee, was biologisch dahinter stecken könnte“, sagt Professor David Ellinghaus vom Institut für Klinische Molekularbiologie an der Medizinischen Fakultät der CAU. „Und zum ersten Mal können wir jetzt eine quantitative Aussage dazu machen, wie ähnlich sich chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) und die entzündliche Gallengangserkrankung PSC auf der genetischen Ebene sind.“ Die Ergebnisse der bisher weltweit größten GenetikStudie zu PSC veröffentlichte die renommierte Fachzeitschrift Nature Genetics. Es wurden hierfür die DNA-Proben von rund 4.800 Erkrankten mit denen von fast 20.000 gesunden Personen verglichen.

Nat Genet. 2017;49(2):269-273. doi: 10.1038/ng.3745

Nature: Alternativer Therapieansatz für die Fettspeicherkrankheit Morbus Gaucher

Arbeitsgruppen aus Lübeck und Cincinnati (USA) haben einen überraschenden Mechanismus im Stoffwechsel aufgedeckt, der neue therapeutische Ansätze zur Behandlung der Fettspeicherkrankheit Morbus Gaucher eröffnet. Cluster-Vorstandsmitglied Professor Jörg Köhl vom Institut für Systemische Entzündungsforschung an der UzL veröffentlichte die neuen Erkenntnisse gemeinsam mit seinen USamerikanischen Kollegen in Nature. Morbus Gaucher ist eine seltene, erbliche Fettspeicherkrankheit. Bisher war bekannt, dass die Erkrankung ursächlich nur durch den genetisch bedingten Mangel eines bestimmten Enzyms (ßGlukozerebrosidase) verursacht wird. Durch den Enzymmangel werden zuckerhaltige Fettstoffe nicht korrekt aufgespalten und abgebaut. In der Folge reichern sich diese so genannten Glukosylceramide in verschiedenen Immunzellen an, vorzugsweise in den Fresszellen (Makrophagen). Die geschwollenen Zellen, sogenannte Gaucher-Zellen, finden sich in großer Zahl in Lunge, Milz, Leber und Knochenmark. Dort setzen sie entzündliche Substanzen frei und führen in der Folge zur Gaucher-Erkrankung. Dabei kommt es je nach Schweregrad zu entzündlichen Funktionsstörungen innerer Organe und des Skeletts. Die in Nature publizierte Arbeit zeigt nun, dass an Morbus Gaucher Erkrankte Antikörper gegen die angereicherten Glukosylceramide bilden. In der Folge entstehen Immunkomplexe, die zur Freisetzung der Substanz C5a führen. Dabei stellte sich heraus, dass C5a eine Schlüsselfunktion bei der Krankheitsentwicklung einnimmt. In experimentell ausgelöstem Morbus Gaucher verhinderte die Blockade des Rezeptors von C5a die Anreicherung von Glukosylceramid und die Auslösung der Erkrankung.

Nature. 2017; 543: 108-112. doi: 10.1038/nature21368

Nature Medicine: Kalte Umgebung beeinflusst die Zusammensetzung der Darmbakterien

Frieren steigert die Produktion von Gallensäuren und verändert so das Darmmilieu. Unter diesen veränderten Stoffwechselbedingungen gedeihen offensichtlich einige Bakterien im Darm besser als bei wärmeren Temperaturen während andere Bakterienspezies sich weniger gut vermehren. Das hat ein Team des Exzellenzclusters Entzündungsforschung im Verbund mit Hamburger Forscherinnen und Forschern im Mausmodell herausgefunden. „Die Kälteexposition verändert das Darm-Mikrobiom und zwar unabhängig davon, was gefüttert wird“, betont Malte Rühlemann, Doktorand am Institut für Klinische Molekularbiologie an der Medizinischen Fakultät der CAU in der Arbeitsgruppe von ClusterVorstandsmitglied Professor Andre Franke. In der Studie wurde auch ein Mechanismus in der Leber nachgewiesen, über den der Organismus überschüssiges Cholesterin effizient in Gallensäuren abbauen und damit unschädlich machen kann. Wenn die Umgebung kalt ist, muss der Körper mehr Wärme produzieren. Dafür sorgt insbesondere das sogenannte braune Fettgewebe, während das normale, weiße Fettgewebe in erster Linie überschüssige Energie in Form von Fett speichert. Die Aktivität des braunen Fettgewebes hängt unter anderem von der Temperatur ab. Bei Kälte wird es aktiviert, sagt Co-Autor Rühlemann. Für die Studie wurden Mäuse bei niedrigen und neutralen Temperaturen gehalten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten erstmals nachweisen, wie die Aktivierung des braunen Fettgewebes die Leber stimuliert, vermehrt Cholesterin zu Gallensäuren abzubauen. Rühlemann: „Es wurde tatsächlich nachgewiesen, dass bei Kälteexposition die Gallensäureproduktion in der Leber extrem ansteigt, teilweise bis auf das 40fache des normalen Werts. Diese Veränderung im Stoffwechsel hat einen Effekt auf das Mikrobiom im Darm und umgekehrt können auch die Darmbakterien Gallensäuren umwandeln.“ Noch lässt sich nicht sagen, was die Veränderung des Mikrobioms bewirkt.

Nat Med. 2017 Jul;23(7):839-849. doi: 10.1038/nm.4357

The Lancet Infectious Diseases: Weltweiter Mycobakterium chimaera Ausbruch mittels Genomanalyse rekonstruiert

Wissenschaftler eines europäischen Konsortiums unter der Leitung des Universitätsspitals Zürich und des Forschungszentrums Borstel konnten durch Genomsequenzierung einen weltweiten Mycobacterium chimaera Ausbruch detailliert nachverfolgen. Die Studie zeigte, dass in der Intensivmedizin eingesetzte Hypothermiegeräte die wahrscheinliche Quelle einer Infektion mit einem M. chimaera Stamm sind, an der 21 Patienten aus der Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich und 12 weitere Patienten in den USA und Australien erkrankt sind. Die Ansteckung erfolgte im Rahmen eines herzchirurgischen Eingriffes, bei der die Hypothermiegeräte zur Regulierung der Bluttemperatur eingesetzt werden. M. chimaera gehört zu den sogenannten nichttuberkulösen Mykobakterien (NTM). Bei Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder Immunschwäche können diese Bakterien Infektionen insbesondere der Lunge hervorrufen. Sie können aber auch Entzündungen von künstlichen Herzklappen verursachen. Um den Infektionsweg aufzuklären, wurden in der aktuellen Studie M. chimaera Proben verschiedener Herkunft (u.a. Herzpatienten, Medizinprodukten, Trinkwasserspendern und Leitungswassersystemen der Krankenhäuser) mittels Genomsequenzierung untersucht. „Genomsequenzierungen sind ein leistungsstarkes Werkzeug um Ausbrüche von Krankheitserregern zu untersuchen. Unsere Untersuchung zeigt, dass der weltweite M. chimaera Ausbruch höchstwahrscheinlich einer Quelle zuzuordnen ist,“ sagt Professor Stefan Niemann, Leiter der Forschungsgruppe „Molekulare und Experimentelle Mykobakteriologie“ am Forschungszentrum Borstel und Mitglied im Exzellenzcluster „Entzündungsforschung.

Lancet Infect Dis. 2017;17:1004-1005. doi: 10.1016/ S1473-3099(17)30324-9

Nature Communication: Neue Aspekte des „Langlebigkeits-Gens“ FOXO3 entdeckt

Bereits 2009 bestätigten Mitglieder des Exzellenzclusters Entzündungsforschung, dass FOXO3 ein „Langlebigkeits-Gen“ ist. In einer neuen Studie konnte das Kieler Forschungsteam erstmals zeigen, welche Veränderungen in der Basensequenz des Gens zu einer besonders langen Lebenszeit beitragen. Aber nicht nur die genetischen Voraussetzungen, sondern auch die Umwelt- und Ernährungsbedingungen unter denen Menschen leben entscheiden darüber, wie alt diese werden. Es scheint, dass die lebensverlängernden Effekte von FOXO3 vor allem dann zum Tragen kommen, wenn das Nahrungsangebot nicht zu reichhaltig ist. „Wir können mit unseren neuen Daten zeigen, dass insbesondere zwei Varianten im Gen FOXO3 ein langes Leben fördern“, fassen die Erstautorinnen Dr. Friederike Flachsbart und Dr. Janina Dose vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) an der CAU die neuen Erkenntnisse zusammen. Neben der Genetik beeinflussen aber auch weitere Faktoren ein langes Leben. Denn FOXO3 spielt eine sehr wichtige Rolle im Insulinstoffwechsel. Hier reagiert das Gen insbesondere auf ernährungsbedingten Stress, also Hunger oder Überfluss. Die Forschenden gehen davon aus, dass die beiden Langlebigkeitsvarianten in FOXO3 unter normalen und nährstoffarmen Bedingungen zu einer höheren Expression des Gens führen. „Unsere experimentellen Daten legen nahe, dass für unser heutiges Ernährungsverhalten, das eher durch ein Zuviel als durch ein Zuwenig gekennzeichnet ist, die jetzt nachgewiesenen Veränderungen im Langlebigkeits-Gen eher ein Nachteil sein könnten“, vermutet Studienleiterin Professorin Almut Nebel vom IKMB.

Nat Commun. 2017; 8:2063.doi: 10.1038/s41467-017-02183-y

Artikelaktionen