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Spitzenforschung

Schleswig-Holstein stellt die Weichen

Das neue und bundesweit einzigartige Förderprogramm „Schleswig-Holstein Excellence Chairs“ wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Es hält Spitzenkräfte im Land und legt die Grundlagen dafür, dass die Ergebnisse der Grundlagenforschung ohne Umwege in die klinische Versorgung gelangen. Von dem Konzept ist auch Hermann Gröhe überzeugt. Der damalige Bundesgesundheitsminister kam nach Kiel, um mit Cluster-Mitgliedern und Landtagsabgeordneten zu diskutieren.


Acht Millionen Euro investiert das Land Schleswig-Holstein in das Programm „Schleswig-Holstein Excellence Chairs“ und stellt damit wichtige strukturelle Weichen für die translationale medizinische und naturwissenschaftliche Forschung. Am 9. Februar stellten Vertreterinnen und Vertreter der beteiligten Universitäten und die damalige Wissenschaftsministerin Kristin Alheit das neuartige Konzept sowie die Chair-Inhaber in Kiel vor.

Die „SH-Chairs“ sind spezielle Professuren, mit denen exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an die schleswig-holsteinischen Standorte gebunden werden sollen. Sie werden jeweils für einen Zeitraum von maximal sechs Jahren gefördert. Die Förderung ermöglicht jedem Chair-Inhaber eine zusätzliche Juniorprofessur in seiner Arbeitsgruppe einzusetzen. Diese Nachwuchsgruppenleitungen wurden 2017 ausgeschrieben. Fünf Millionen Euro der Fördersumme finanziert das Land Schleswig-Holstein aus seinem Struktur- und Exzellenzbudget. Drei Millionen trägt der Medizin-Ausschuss, eine gemeinSpitzenforschung Schleswig-Holstein stellt die Weichen same Einrichtung der Universitäten Kiel und Lübeck mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), in dem Strukturen, Planungen und Entscheidungen gemeinsam beraten und abgestimmt werden.

Bei der Vorstellung des Konzeptes machte Kristin Alheit deutlich, was das Land mit dieser Förderung bewirken möchte: „Wir wollen die universitäre Spitzenforschung im Land stärken und die Exzellenzstrategie fördern. Das Land Schleswig-Holstein beteiligt sich an der Finanzierung der SH Chairs, damit das lebenswissenschaftliche Potenzial im Land optimal genutzt werden kann. Die Lebenswissenschaften gehören zu den wichtigen Zukunftsfeldern, die den Forschungsstandort Schleswig-Holstein sichern.“ Das Programm der SH-Chairs ist deutschlandweit einmalig. „Mit diesem Alleinstellungsmerkmal gehen wir stark in die dritte Förderperiode.“ Davon ist Professor Stefan Schreiber, Sprecher des Exzellenzclusters, überzeugt: „Das Programm ist insbesondere auch eine Entwicklung, die den Patientinnen und Patienten in unseren beiden Entzündungsambulanzen zu Gute kommt. Diese Betroffenen profitieren aus erster Hand von den Forschungsergebnissen aus dem Cluster, weil sie nach den allerneusten Erkenntnissen behandelt werden.“


Hermann Gröhe besuchte Kieler Entzündungszentrum

Chronisch entzündliche Erkrankungen sind eine Herausforderung für unser Gesundheitssystem - das hat auch die Politik erkannt. Im Februar kam der damalige Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe nach Kiel, um mit Cluster-Mitgliedern und Landtagsabgeordneten zu diskutieren. Bei einer Führung durch das Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin in Kiel informierte sich der Minister über die fachübergreifende Krankenversorgung und die enge Zusammenarbeit von Forschung und klinischer Praxis im Cluster. Gröhe lobte die nationale und internationale Expertise des schleswig-holsteinischen Clusters und unterstrich die Notwendigkeit von zukunftsweisender Forschung. „Im Exzellenzcluster Entzündungsforschung arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam daran, Entzündungsprozesse zu verstehen und Krankheitsursachen aufzuspüren. Um chronische Entzündungen in Zukunft besser und zielgerichteter behandeln zu können, ist es gut, wenn Forschung und klinische Praxis so eng wie möglich zusammenarbeiten“, sagte Gröhe.

Die steigende Anzahl chronisch entzündlicher Erkrankungen ist vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft eine Belastung des Gesundheitssystems. Denn chronisch krank bedeutet, dass diese Menschen bis an ihr Lebensende eine immer komplexere medizinische Betreuung benötigen. „Die Therapien bei chronisch entzündlichen Erkrankungen sind mittlerweile so vielschichtig, dass niedergelassene Ärzte dieser Komplexität teilweise nicht mehr gewachsen sind“, so Schreiber. „Die Universitätsmedizin wird sich zukünftig intensiv mit diesen Krankheitsfeldern beschäftigen.“

Chronische Entzündungskrankheiten betreffen zehn Prozent der Bevölkerung in Europa. Sie belasten Betroffene enorm und schränken deren Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit erheblich ein. Die Krankheiten sind derzeit nicht heilbar und nur bei etwa der Hälfte der Betroffenen lassen sich die Beschwerden langfristig medikamentös unterdrücken. Auch lässt sich bisher noch nicht vorhersagen, welches Medikament bei wem wirkt. Hier setzen die Forschungen innerhalb des Clusters an. Ziel ist zum Beispiel Biomarker zu identifizieren, die frühzeitig Auskunft über den Krankheitsverlauf und Komplikationen geben können. Entwickelt werden außerdem Kriterien, die eine objektive Therapieentscheidung ermöglichen.

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